Corona-Tagebuch 129

28. Oktober 2020

Gestern mit Mareike Hube und Herrn Sedlmeir getroffen, Kontakttagebuch, ick hör dir trappsen. Mareike hatte Buletten gebraten und wir wurden uns schnell einig, dass sie die neue Hildegard Knef wird, mindestens. Einig waren wir uns ebenfalls in unserer Sorge um die Jugend. Wie wirkt es sich aus, wenn einer Generation die Möglichkeit von Rebellion und Unvernunft genommen wird? Sorgt das nicht für extreme Verbitterung, später? Mit Spannung wird die Verkündung des „Lockdown-Light“ erwartet. Dabei ist fast alles schon durchgesickert. Ab 4.11. sollen Kultur, Gastronomie und Amateursport stillgelegt werden, alles andere darf weiter laufen. Man hofft den Laden so in den Griff zu kriegen. Dass man noch nie davon gehört hat, dass es in Kinos oder Theatern zu größerem Infektionsgeschehen gekommen sei, ganz im Gegensatz zu vielen Betrieben, gerade in der Fleischverarbeitung, spielt keine Rolle, man greift durch. Wirtschaftsminister Peter Altmaier: „Die Kultur gehört zur Identität unseres Landes. Deshalb wollen wir eine Pleitewelle oder Änderung dieser Kulturlandschaft, die tiefgreifend ist, verhindern.“ Tja. Womöglich hat er die Kultur mit der Autoindustrie oder der Fleischverarbeitung verwechselt. Lustig ist, dass der Berliner Senat laut Deutscher Presse Agentur (dpa) wegen steigender Infektionszahlen die Teilnehmer-Obergrenzen für Veranstaltungen senkt, drinnen von 1.000 auf 800, draußen von 5.000 auf 1.000. Laut dpa gilt dies „bald“. Noch vor dem 4.11.? 57% der deutschen Bevölkerung sehen das Regierungshandeln in der Corona-Krise eher positiv, 28% sind eher unzufrieden. In den meisten Medien wird das als große Zustimmung gewertet. Ich halte 57% in so einer Krise ja für einen ziemlich geringen Wert, der schnell kippen kann. Die Fußballverbände Bremens und des Rheinlandes setzen den Amateurspielbetrieb bereits jetzt bis auf Weiteres aus. In Köln gilt am 11.11. ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum des gesamten Stadtgebietes. Konsum und Verkauf außerhalb von Gaststätten ist dann nicht erlaubt. Oberbürgermeisterin Henriette Reker: „Diesmal wird nicht gefeiert, diesmal wird nicht gesungen, diesmal wird nicht geschunkelt, diesmal wird nicht getanzt.“ Auf Nachfrage stellte ein Sprecher der Stadt klar, dass sich das Alkoholverbot nicht auf Privatwohnungen beziehe. Und das Schunkelverbot? Lettland stellt den Lehrbetrieb der Klassen 7 bis 12 für zwei weitere Wochen auf Fernunterricht um. Der tschechische Gesundheitsminister Roman Prymula muss wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen seinen Posten räumen. In der belgischen Provinz Lüttich arbeiten dutzende Ärzte und Pfleger in völlig überlasteten Kliniken trotz einer Corona-Infektion. Polen, die Ukraine, Russland und der Iran melden so viele Covid-19-Tote am Tag wie noch nie. Rekorde bei Neuinfektionen gibt es in Berlin, 1.040, Schweden, 1.870, Bulgarien, 2.243, Deutschland, 14.964, Tschechien, 15.663, Polen, 16.300 und Italien, 21.994. Über 1.000 Covid-19-Tote verzeichnet Österreich, über 120.000 Indien. Niedersachsens Regierung erwägt, die Schulen bereits zwei Tage vor Beginn der Weihnachtsferien zu schließen. Damit soll das Risiko vermindert werden, dass infizierte Kinder ältere Verwandte zu Weihnachten anstecken. Ob den Verantwortungsträgern mal jemand gesteckt hat, dass durchaus die Möglichkeit bestünde vor den Weihnachtsfeiertagen bereits sich auf den Weg zu jenen Verwandten zu machen?

Tipp für heute: Nicht schunkeln!

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