Corona-Tagebuch 130

29. Oktober 2020

Ab 2.11., nicht ab 4.11., das war die einzige Überraschung, müssen in ganz Deutschland Restaurants, Bars, Kneipen, Diskotheken, Theater, Opern-, Veranstaltungs- und Konzerthäuser, Kinos, Messen, Freizeitparks, Spielhallen, Wettbüros, Fitnessstudios, Saunen, Schwimmhallen, Kosmetik- und Tattoostudios, Massagepraxen und Bordelle für mindestens einen Monat schließen. Der Amateursportbetrieb wird komplett eingestellt. Hotels und Pensionen dürfen keine touristischen Übernachtungen mehr anbieten. Relevant und damit von der Schließung ausgenommen sind unter anderem Kirchen und Frisöre. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die beschlossenen Maßnahmen seien „geeignet, erforderlich und verhältnismäßig“. Ich werde morgen (Stand heute) noch in Dessau auftreten und Sonntag mit der Reformbühne ein letztes Mal vor Publikum live in der Baiz, dann war es das erst mal wieder. Der Fraktionsvorsitzende von CDU/CSU Ralph Brinkhaus zu meinem Lieblingsfernsehsender RTL, den ich leider, leider nicht mehr empfangen kann: „Es geht jetzt darum, dass wir Weihnachten retten.“ Ja, Weihnachten retten! Mache ich natürlich mit und fühle mich wie in einer KIKA-Vorabendserie zur Adventszeit. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gegenüber meinem drittliebsten Sender SWR, wenn die Infektionen weiter stiegen wie bisher, müsste Deutschland bis Ende November mit fast 100.000 Neuinfektionen rechnen. „Dann sehen wir uns auch einer Zahl von fast 20.000 Todesopfern gegenüber.“ Wenn hingegen die Kontakte, die bisher ohne Vorsichtsmaßnahmen stattfinden, halbiert würden, dann gebe es den Modellrechnungen zufolge 14.000 Todesopfer. „Angenommen wir vierteln die Kontakte, dann sind wir bei etwa 12.000 Todesopfern.“ Ist es, denke ich mir, dann aber nicht kontraproduktiv, wenn wir ausgerechnet die Kontakte mit Vorsichtsmaßnahmen verbieten? Auch in Frankreich gilt ab Freitag ein neuer Lockdown. Belgien dehnt ihn auf das ganze Land aus. In Portugal ist seit heute eine Maskenpflicht im Freien für alle über 10 Jahre in Kraft getreten. Spanien schließt morgen seine Grenzen zwischen den einzelnen Regionen, damit Menschen übers Wochenende nicht in andere Teile des Landes reisen können. In der Schweiz müssen Bars und Restaurants künftig 23 Uhr schließen, Tanzlokale werden ganz dicht gemacht. Bulgarien schließt die Innenbereiche von Nachtclubs, Gymnasien und Universitäten schalten auf digitalen Fernunterricht um. Rekorde an Neuinfektionen melden Estland, 125, Litauen, 776, Schweden, 2.128, die Schweiz, 8.616, Deutschland, 16.774, Italien, 24.991 und Frankreich, 36.437. Über 600 Covid-19-Tote in Griechenland und im Libanon, über 700 in Jordanien, über 800 in Serbien, über 7.000 in der Ukraine, über 10.000 in der Türkei, über 30.000 in Argentinien, über 90.000 in Mexiko. In vielen italienischen Städten kam es gestern erneut zu Krawallen von vor allem rechtsextremen Protestierenden gegen die Corona-Maßnahmen. In Berlin haben über 4.000 Beschäftigte aus der Veranstaltungsbranche friedlich für einen Rettungsdialog mit der Bundesregierung demonstriert. Prominente Unterstützung erhielten sie unter anderem von Campino („und wir hören unsere Leber schrein“), Dieter Hallervorden („palim, palim“) und Roland Kaiser („in dem Fieber, das wie Feuer brennt“). Meine („Bada, bada lam, lamba, lamba, da“) Unterstützung wurde nicht angefragt. Vielleicht bin ich aber auch gar nicht mal so prominent.

Tipp für heute: Den Hit schreiben.

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