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Corona-Tagebuch 94

15. Juni 2020

Eine Fliege summt durch die Wohnung. Ich habe bereits alle Fenster aufgemacht, sie fliegt aber nicht raus. Im Gegenteil, ich glaub, jetzt ist sogar eine zweite Fliege dazu gekommen. Hoffentlich mögen die sich. Trauriger Abend gestern bei der Reformbühne. Jakob Hein war zum letzten Mal als reguläres Mitglied dabei, verkündete seinen Abschied. Er wird mir und uns fehlen. 21 Jahre teilten wir Sonntag für Sonntag das Mikrophon, ob im Schokoladen, im Kaffee Burger, im Haus Berlin, in der Jägerklause, im Roten Salon oder in der Baiz. Ich behalte sie in guter Erinnerung. Wie es ihm wohl nächsten Sonntag geht? Was wird er dann machen? Sich Freunde einladen und trinken bis zum Umfallen? Wird er unseren Livestream verfolgen? Wird er sich bereits in ein neues Projekt gestürzt haben? Wir planen im Oktober eine große Abschiedsgala für ihn zu veranstalten, dann schon mit zwei neuen Mitgliedern, mit Spider und mit Susanne Riedel, über deren Einstieg ich mich natürlich riesig freue, im Moment jedoch bin ich noch traurig. Muss man auch mal sein dürfen. Kann ja behaupten, es sei wegen Corona.

Tipp für heute: Sich noch mal die Abschiedsworte von Jakob Hein anhören und sehen, auf unserem Livestream-Video.

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Corona-Tagebuch 93

14. Juni 2020

Eine lustige Fahrerei war das gestern. Senefelderplatz bis Pankow mit der U-Bahn, Pankow bis Blankenburg mit der S-Bahn, Blankenburg bis Bernau mit der S-Bahn, Bernau bis Werneuchen/Altstadt mit dem Bus. Zurück: Werneuchen bis Ahrensfelde mit dem Auto (vielen Dank an jene hilfsbereiten Zuschauer, die mich hinfuhren), Ahrensfelde bis Marzahn mit der S-Bahn, Marzahn bis Lichtenberg mit dem Bus, Lichtenberg bis Alexanderplatz mit der S-Bahn, Alexanderplatz bis Rosa-Luxemburg-Platz mit der U-Bahn. Und trotzdem gab es noch Zeit für andere Dinge an diesem Sonnabend. Zum Beispiel für meinen ersten Solo-Auftritt nach dem Corona-Lockdown. Ich habe deutlich gemerkt, dass ich das Singen noch mal hätte üben müssen. Die Blicke der anwesenden Zuschauer schienen an meinen Stimmbändern zu nagen. Wichtig auch für Veranstalter allgemein, Open-Air-Lesungen unter Kunststoffpavillons auf welche der Regen prasselt sind unter akustischen Aspekten durchaus problematisch. Zum Glück konnten wir die Lesung nach drinnen verlegen und mir zumindest hat es sehr viel Spaß bereitet. Am 04.09. komme ich wieder, dann können bestimmt auch diejenigen, welche wegen des Gewitters ihre gekauften Karten verfallen ließen. Warnen möchte ich vor dem Currywurst-Imbiß auf dem S-Bahnsteig Richtung Stadtmitte in Lichtenberg, der mit ‚Lichtenberger Spezialitäten‘ wirbt. Vielleicht soll dieser ja ankommende Fremde abschrecken in dem Bezirk heimisch zu werden, mir jedenfalls wurde regelrecht schlecht nach dem Genuss der Wurst. Und ich bin in Lichtenberg aufgewachsen! Ab 15. Juni gelten keine Kontaktbeschränkungen mehr in Brandenburg. Veranstaltungen werden wieder für bis zu 1.000 Menschen zugelassen, auch Konzerte. Es gibt keine Obergrenze mehr für Demonstrationen. Montag öffnen dort bereits die Kindergärten für alle Kinder, die Schulen sollen nach den Sommerferien (10.08.) zum normalen Unterricht zurück kehren. Ebenfalls ab Montag wird an den deutschen Grenzen zu Frankreich und Luxemburg nicht mehr kontrolliert. Dann öffnet auch Norwegen seine Grenzen zu allen Nachbarländern außer Schweden. Puerto Rico beendet den Lockdown, die Grenzen sollen ab 15. Juli öffnen. In Indien dagegen erwägt die Regierung Luxushotels und Sportstätten in Lazarette umzuwandeln, nachdem die Lage sich dramatisch verschlechterte. In Chile wurde der Gesundheitsminister abgesetzt, dem vorgeworfen wird, er hätte nicht früh genug Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie verhängt. Brasilien ist mit 42.720 Covid-19-Toten das mittlerweile von Corona am zweitmeisten betroffene Land der Welt. Über 3.000 Tote in Chile, über 9.000 Tote in Indien, über 115.000 Tote in den USA. Dort bekam am Sonnabend der 70-jährige Bürger Michael Flor nach einem schweren Covid-19-Verlauf die Rechnung der Klinik über 1.122.501,04 Dollar (rund 997.000 €) präsentiert, woraufhin ihm, laut der ‚Seattle Times‘, das Herz „beinahe zum zweiten Mal stehen geblieben“ wäre. Bezahlen muss er allerdings nicht, da der US-Kongress Krankenhäuser für die Behandlung von Covid-19-Patienten mit 100 Millionen Dollar entschädigt.

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Heiko Werning, Dr. Jakob Hein (ich will nicht zu viel verraten, hab aber bereits einige Taschentücher eingepackt), Falko Hennig, Gott und mich, aus Steglitz per Video mit seiner legendären Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne Jürgen Witte und unserem Superstargast aus Bayern, der zauberhaften Eva Karl-Faltermeier (Toni Mahoni musste aus gesundheitlichen Gründen absagen). Karten sind leider bereits ausverkauft, wir streamen allerdings weiterhin auf unserem Facebook-Kanal. Bestellungen für nächsten Sonntag unter reservierung-reformbuehne@web.de.

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Corona-Tagebuch 92

13. Juni 2020

78 Kilo bringe ich auf die Waage. 6 Kilo zugenommen. Danke, Corona! Auf irgend etwas muss man es ja schieben. Allerdings war ich unrasiert. Man kann also noch was abziehen. Die Rückenschmerzen sind weniger geworden, dafür gibt es erste Anzeichen meiner Allergie, die stets im Sommer bei feuchterem Wetter auftritt, das Gegenteil also einer Pollenallergie. Die Ärztinnen konnten noch nicht heraus bekommen, warum sie auftritt. Ich vermute, es handelt sich um eine Allergie gegen Pilzsporen, ausgerechnet Pilzsporen, wo ich doch Pilze so sehr liebe, weshalb ich sie immer abschneide und auf glühenden Kohlen röste, ich Teufel. Vielleicht ist das ja die Rache der Pilze? Niesattacken und, bei schwererem Verlauf, auch Asthma-Beschwerden sind die Symptome. Wird in der Corona-Zeit bestimmt nicht ganz einfach. Heute steht meine erste Solo-Lesung nach dem Corona-Lockdown an. Es geht nach Werneuchen, wo ich noch nie war. Stattfinden soll die Lesung im Garten der ‚Alten Schmiede‘. Zweimal wurde der Auftritt bereits verschoben. Ich hoffe, heute kann er stattfinden, nicht wegen des Virus, sondern unwetterartige Gewitter wurden vorher gesagt, die könnten die Freude am Zuhören empfindlich schmälern. Auch Donald Trump möchte wieder auftreten, wie bereits geschrieben. Er versucht sich jetzt abzusichern, indem jede/r, die/der am nächsten Freitag zu seiner Riesenshow nach Tulsa pilgern möchte, unterschreiben muss, man würde im Falle einer Infektion keine rechtlichen Schritte gegen sein Wahlkampfteam einleiten. Könnte eine Blaupause für Verbrechen jeglicher Art sein. Man lässt die Opfer vorher irgend einen Wisch unterschreiben. Gut, normalerweise ist der Staat trotzdem verpflichtet zu ermitteln, weiß aber nicht, wie das in den USA ist. Pünktlich dazu meldet die Stadt Tulsa stark steigende Fallzahlen. Rekordanstiege bei Neuinfektionen gibt es auch in der Ukraine (753), in der Türkei (1.195), in Südafrika (3.359) und in Mexiko (5.222). Trotzdem will Mexiko jetzt die Maßnahmen lockern. 340.000 Unternehmen dürfen den Betrieb dort wieder aufnehmen, kleine Geschäfte öffnen. Peking riegelt hingegen nach insgesamt 7 Neuinfektionen 11 Wohngebiete ab. Der Ausbruch soll mit einem Fleischmarkt in Verbindung stehen. Wie der Chef des Xinfadi-Marktes der Webseite ‚Beijing News‘ sagte, sei das Virus auf Schneidebrettern nachgewiesen worden, auf welchen importierter Lachs verarbeitet wurde. Diese verrückten exotischen Wildtiere also wieder. Warum muss man auch Lachse essen? Perverse Europäer. Vollhonk und „Zukunftsforscher“ Matthias Horx, der mal dieses, mal jenes voraussieht, schätzt neuerdings, dass durch die Corona-Krise das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik wächst. Horx wörtlich zur DPA: „Es ist ein Vertrauensgewinn in die Politik festzustellen, der auch – glaube ich – anhält.“ Horx hatte bereits zu Beginn des Lockdowns sich extrem weit aus dem Fenster gelehnt, als er „vermutete“, dass viele Menschen in der sozialen Isolation intensiver telefonieren würden.

Heute: Werneuchen, Alte Schmiede (Garten), 19 Uhr: Ahne liest, singt und trinkt (neue Texte, alte Schlager, Bier) ausverkauft, Zusatztermin 04.09. 2020

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Corona-Tagebuch 91

12. Juni 2020

Auf einer großen Wiese saß ich gestern, im Kreis, mit vielen anderen Eltern. Es wurde erzählt, wie es ihnen so erging, während des Lockdowns und ich war nicht überrascht, wie unterschiedlich die Erfahrungen ausfielen. Die meisten hätten sich einen längeren Lockdown gewünscht, empfanden es als angenehm für ihre Kinder, aber auch für die Beziehung zu ihren Kindern. Diejenigen, die sagten, es sei der reine Horror gewesen, waren eindeutig in der Minderheit. Irgendwie jedoch kamen sie mir ehrlicher vor. Ich könnte mich weder dem ersten noch dem zweiten Lager zuordnen. Es war schon immer mein tief gehegter Wunsch, mit wenigen Menschen in einer Extremsituation auf engstem Raum eingesperrt zu sein. In Krisensituationen lebe ich auf. Nur dauert die Krise nun schon länger und läppert mehr und mehr aus, man bemerkt sie kaum noch im Alltag, außer eben, dass die Tochter weiterhin nicht zur Schule gehen kann, man ihr jeden Tag ein Mittagessen kochen muss, was ist das noch für eine Extremsituation? Das sagte ich aber nicht, in der Runde. Ehrlich bin ich lediglich auf dem Papier, dem elektronischen Papier. Laut einer Studie der Harvard-Universität hat sich das Virus möglicherweise schon seit August 2019 in China ausgebreitet. Die Forscher werteten dazu Satellitenbilder und Suchbegriffe wie „Husten“ oder „Durchfall“ aus. Dabei habe sich heraus gestellt, dass bereits vor dem offiziell von den Behörden gemeldeten Ausbruch der Epidemie im Dezember 2019 mehr Menschen ins Krankenhaus gefahren seien. Hm. Der Erkenntnis der Forscherinnen und Forscher will ich ja nicht widersprechen, nur erscheinen mir die Forschungsmethoden fragwürdig. Mehr Menschen fuhren ins Krankenhaus? Mehr „Husten“? Mehr „Durchfall“? Könnte es da eventuell noch andere Erklärungen geben? In Großbritannien hat die Corona-Krise zum Einbruch des Bierkonsums geführt. Um 7,2% sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der Verkauf im ersten Quartal. Grund seien die geschlossenen Pubs. Für Deutschland warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor dem Benutzen abseitiger Badestellen. Sie befürchtet, dass die Schwimmfertigkeit durch die wegen Corona wochenlang geschlossenen Schwimmbäder und ausgefallenen Schwimmkurse gesunken ist. In Freibädern wäre aufgrund der vorhandenen Rettungsschwimmer die Gefahr zu ertrinken nicht so groß. Mit 8 lag die Zahl der gestern gemeldeten Corona-Toten in Deutschland einstellig. Das erste Mal, seit Monaten? Bulgarien vermeldet mit 104 Neuinfektionen am Tag einen Rekordanstieg. Schweden vermeldet mit 1.474 Neuinfektionen am Tag einen Rekordanstieg. Über 2.000 Covid-19-Tote in Indonesien, über 6.000 in Peru, über 8.000 in Indien, über 40.000 in Brasilien. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) äußerte sich am Rande einer Kabinettssitzung, auf der die Absenkung der Mehrwertsteuer und die Zahlung eines Kinderbonus in der BRD, 300 € pro Kind, beschlossen wurde, folgendermaßen: „Eine zweite Welle kann sehr wahrscheinlich vermieden werden.“ Interessant.

Tipp für heute: Voraussagen immer mit einem „möglicherweise“, „eventuell“, „wahrscheinlich“ oder „vielleicht“ garnieren.

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Corona-Tagebuch 90

11. Juni 2020

Meine Zahnarztpraxis hat angerufen und gefragt, ob ich den Termin in der kommenden Woche verschieben will. „Wegen Corona?“ habe ich gefragt und sie geantwortet, nein, nein, der Zahnarzt könne nur nicht an dem Termin. Sie hätten jetzt eine neue Kollegin eingestellt, die würde das übernehmen. Freue mich also auf die neue Kollegin und werde den Mund ganz weit aufmachen, versprochen. Gestern Zeuge geworden, wie die Polizei in Neukölln einige Jugendliche auf dem Spielplatz kontrollierte, die dort Bälle in einen Korb zu werfen versuchten. Weiß gar nicht mehr, ob das noch verboten ist. Oder lag es an der Hautfarbe von einigen der Spieler? Ein Würgegriff wurde jedenfalls nicht angesetzt. Die Polizei verließ den Spielplatz, die Jugendlichen verließen den Spielplatz, wir verließen den Spielplatz nicht, sondern tranken weiter dort unser Bier. Mitglieder der Washingtoner Nationalgarde, die während der Proteste gegen rassistische Polizeigewalt in der US-Hauptstadt im Einsatz waren, sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Eine genaue Zahl werde aus Gründen der „operativen Sicherheit“ nicht genannt, teilte eine Sprecherin Dienstagabend mit. Weil so viele zu den Demonstrationen wegen des Todes von George Floyd kamen, will nun auch Donald Trump wieder Massen zusammen bringen. Bereits ab nächsten Freitag plant er öffentliche Wahlkampfauftritte wahrzunehmen. „Laut und ungestüm und groß“ sollen sie seinem Kommunikationsdirektor Tim Murtaugh zufolge werden. Während im Nordosten der USA die Infektionszahlen deutlich sinken, steigen sie in den südlichen Bundesstaaten deutlich an. Zum ersten Mal seit zwei Monaten gab es gestern auch in Deutschland wieder mehr Neuinfektionen (555) als Covid-19-Patienten genesen sind (ca. 400). Zum neuen Hotspot könnte Indien werden, wo mittlerweile pro Tag etwa 10.000 Infektionen hinzukommen. Über 1.000 Tote in Bangladesch, über 8.000 Tote in Kanada, über 15.000 Tote in Mexiko. Die USA melden 2 Millionen Infizierte. Laut ‚Institute for Economics and Peace‘ (IEP) könnten die ökonomischen Folgen der Coronakrise dazu beitragen, bestehende Konflikte zu befeuern und neue zu schaffen. Ach nee. Ist ja mal ’ne Aussage, wo sich jemand ganz weit aus dem Fenster lehnt. „Könnten“. Solche Forschungsergebnisse möchte ich mal präsentieren dürfen. Ein Jahr im Bett liegen und dann hinaus posaunen, gestiegene Rüstungsexporte könnten dazu führen, dass diese Waffen auch eingesetzt werden. Im Ranking der friedlichsten Länder kletterte Deutschland um sechs Plätze nach oben und steht nun auf Platz 16. Die Schweiz kommt auf Platz 10, Österreich auf Platz 4, das friedlichste Land der Erde ist Island, auf dem letzten Platz befindet sich Afghanistan.

Tipp für heute: Nachteil für jemanden an der Spitze, verbessern kann man sich nun nicht mehr.

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Corona-Tagebuch 89

10. Juni 2020

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck antwortet der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung‘ zur Anwendung des Mund-Nasen-Schutzes befragt: „Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor ihren Mund, wahrscheinlich ungewaschen.“ Oh nein! Woher weiß er, wie ich mit meinem Mund-Nasen-Schutz umgehe? Werde ich etwa beobachtet? Klar werde ich beobachtet, die neue Weltregierung muss schließlich wissen, welche Maßnahmen notwendig sind, damit Bill Gates auch weiterhin ungestört Kinder in unterirdischen Menschenfabriken aussaugen kann. Wenn ich ehrlich bin, habe ich meinen Mund-Nasen-Schutz noch nie gewaschen, seit mehr als 4 Wochen. Hups! Nehme ich den Spitzeln der neuen Weltregierung die Arbeit ab? Man bin ich blöd! Weiß leider nicht, wo sich die Löschtaste befindet. Für das Wochenende kündigt der Deutsche Wetterdienst Temperaturen über 30°C an, zum ersten Mal in diesem Jahr, in Berlin. Tokios Behörden warnten die Bewohner der japanischen Hauptstadt nach einer solchen Hitzewelle vor gesundheitlichen Problemen durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Sie rieten, bei ausreichend Abstand zu anderen Menschen, 1,5 m im Freien, diesen abzunehmen. Da Radfahren im Rahmen der Coronakrise in Japan immer beliebter geworden ist, hat man dort jetzt die Straßenverkehrsordnung verschärft. Künftig ist das Belästigen anderer durch impertinentes Klingeln ebenso untersagt wie unnötiges Bremsen. Wer stellt eigentlich fest, wann Bremsen unnötig ist? Radfahrer über 14 Jahren müssen sich zukünftig einem Kurs in Verkehrssicherheit unterziehen, verstoßen sie zweimal in drei Jahren gegen diese Regeln. Bordelle, Discos und Swingerclubs bleiben in Thüringen auch weiterhin geschlossen, während Schwimmbäder, Saunen, Thermen und Kinos ab Sonnabend öffnen dürfen. Bordelle, Discos und Swingerclubs, da befinden sich die Tanzwütigen ja in guter Gesellschaft. Unterirdische Menschenfabriken hätte man noch hinzufügen müssen. Oh nein! Was schreibe ich hier!? Lettland beendet heute seinen Notstand. Ebenfalls heute öffnet die Slowakei die Grenzen für Reisende aus 15 Ländern, zum Beispiel Deutschland. Neuseeland erklärte sich bereits Montag für coronavirusfrei. In Großbritannien dürfen ab kommenden Montag sämtliche Läden öffnen. Ab 22. Juni gilt in Hessen Präsenzpflicht an allen Schulen, Kindergärten öffnen ab 6. Juli vollständig, Schwimmbäder, Badeseen und Saunen ab Anfang nächster Woche. In der Türkei dürfen Menschen über 65 und unter 18 zwischen 10 und 20 Uhr wieder das Haus verlassen, Jugendliche allerdings nur in Begleitung ihrer Eltern. Die Kinos in Kalifornien machen wieder auf, mit 25% Auslastung und Maskenpflicht wegen gesunkener Infektionswerte. Arizona hingegen meldet einen Anstieg der Infektionszahlen um 40%. Brasilien muss nach einem Gerichtsurteil die Zahlen zu Infizierten und Toten wieder veröffentlichen. Ende vergangener Woche hatte Bolsonaro das Ministerium angewiesen nur noch die Zahlen des vergangenen Tages abzubilden und diese erst nach 22 Uhr zu verbreiten. Zudem soll er verfügt haben, die täglichen Todesfälle dürften die Grenze von 1.000 nicht überschreiten. Gestern starben in Brasilien nach offiziell bestätigten Angaben 1.270 Menschen an Covid-19.

Tipp für heute: Hinter jeder Zahl verbirgt sich ein Einzelschicksal.

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Corona-Tagebuch 88

9. Juni 2020

Scheute mich ein bisschen, unter dieser Zahl einen Tagebucheintrag zu machen. Wollte ihr allerdings auch nicht zu viel Gewicht beimessen. Die 88 einfach überspringen und mit der 89 weiter machen? So wie in einigen Ländern mit Stockwerken verfahren wird oder den Sitzreihen in Flugzeugen, wo es dann keine 13 gibt oder keine … 7 vielleicht? Nein, nein, nein. Wir müssen die 88 aus den Fängen der Nazis befreien. In Rheinland/Pfalz dürfen am Mittwoch nun doch keine Bordelle wieder eröffnen. Man möchte eine Verlagerung von Sexualdienstleistungen nach Rheinland/Pfalz vermeiden. Dafür können Bars, Kneipen und Restaurants in Berlin trotz Corona-Einschränkungen wieder länger als 23 Uhr aufmachen, ab sofort. Grund ist ein Gerichtsurteil nach der Klage eines Wirtes. Angesichts der großen Demonstrationen am Wochenende gegen Rassismus erklärte Baden/Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), dass „die unsichtbare Gefahr der Ansteckung mit einer tödlichen Krankheit“ immer gegenwärtig sei und fordert: „Wir brauchen eine Einschränkung des Demonstrationsgrundrechts, das eben Veranstaltungen nur bis zu einer bestimmten Größe überhaupt zulässig sind, das Abstand einzuhalten ist.“ Ich hoffe, dieser Antidemokrat wird jetzt ordentlich in seine Schranken gewiesen. Wie wäre denn seine Lieblingsobergröße einer Demonstration? 15 Personen? 5 Personen? 3 Personen? Und die müssen dann 10 m Abstand zueinander halten, richtig? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach empfiehlt einen Verzicht auf Sprechchöre, nicht grundsätzlich allerdings, sondern während der kritischen Phase einer Epidemie. Nach der Auswertung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung verbrachten im April 2020 während des Lockdowns Männer durchschnittlich 4,2 Stunden mit der Kinderbetreuung an Werktagen hierzulande, Frauen 7,6 Stunden, mit Hausarbeit vergnügten sich die Männer knapp eine Stunde, die Frauen 2,1 Stunden. Das Institut sah jene Zahlen als fortschrittlich an. Sie zeigten, dass Männer und Frauen der Gleichberechtigung näher kämen. Bis zu 200.000 Seeleute sitzen nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wegen Corona-Schutzvorschriften weltweit auf Schiffen fest. Die Weltbank erwartet die schwerste Weltwirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg. Über 1.000 Covid-19-Tote in Südafrika, über 6.000 in Russland, über 110.000 in den USA. Präsident Trump vor ein paar Tagen: „Wir haben jede Entscheidung richtig getroffen.“ Auch damit hat er sicherlich recht. Was denn sonst?

Tipp für heute: Sich über die gesamte Länge des Tages und der Nacht verteilen, wenn man Kneipen besucht, verringert die Ansteckungsgefahr.

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Corona-Tagebuch 87

8. Juni 2020

Der Neustart der Reformbühne nach den corona-bedingten Schließungen der Veranstaltungsorte war ein absolutes Desaster, jedenfalls für meine Lesebrille. Ich habe die Bügel einfach nur aufgeklappt und hielt plötzlich einen davon in der Hand. Abgebrochen. Einfach so. Nach nicht mal einem halben Jahr Benutzung. Bestimmt werde ich nie wieder eine ähnlich schöne Brille in der Drogerie finden. Ansonsten lief alles wunderbar. Die Livestream-Technik aus der Baiz funktionierte, vom Publikum wirkte, so weit ich das beurteilen kann, niemand infiziert und unsere Texte kamen gut an. Oder lag es am Bier? Nur das Abschlusslied konnten wir nicht singen, wegen Gefahr frei schwebender Aerosole. Jakob Hein, unser Doktor, wagte sich an eine Summ-Version ohne Summen, eine revolutionäre Technik. Hamburg hat durch Erhebung von Bußgeldern wegen der Verletzung der Corona-Maßnahmen bis Ende Mai bei 6.650 Bescheiden insgesamt 320.270 € eingenommen. Glückwunsch. Ab heute wird an bundesweit 500 Bahnhöfen der 46-jährige Heiko Grauel viermal in der Stunde zu hören sein, die Fahrgäste bitten Mund- und Nasenbedeckung zu tragen, den Mindestabstand einzuhalten und die gesamte Zuglänge zum Ein- und Aussteigen zu benutzen. Eröffnen wird er mit „Schützen sie sich und andere“ schließen mit „Bleiben sie gesund“. Mehr als 100 Menschen wurden bei Protesten in Kasachstan festgenommen, die unter anderem einen Schuldenschnitt für von der Corona-Krise Betroffene fordern. Es handelte sich um die ersten Demonstrationen nach den von der Regierung verkündeten Lockerungen. Auch Indien lockert weiter. Die Grenzen zwischen den Unionsstaaten werden heute geöffnet, Einkaufszentren, Tempel und Moscheen dürfen wieder besucht werden. Gleichzeitig melden die Behörden eine Rekordzahl von Neuinfizierten, fast 10.000, die Zahl der Covid-19-Toten stieg auf über 7.000. Chile korrigiert seine Zahl der Todesopfer deutlich nach oben, auf 2.290. Über 1.000 Tote auf den Philippinen. 400.000 Tote weltweit und über 7 Millionen Infizierte. Polen meldet einen sprunghaften Anstieg der Neuinfektionen, 1.151 am Tag. Pakistan überspringt die Marke von 100.000 Infizierten und führt die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit ein. Die höchste Falldichte von Infizierten gibt es zur Zeit im arabischen Raum, allerdings auch die geringsten Todesraten. In Kuweit liegt sie bei 0,8, in Saudi-Arabien bei 0,7, im Oman bei 0,5, in Katar sogar nur bei 0,09. Zum Vergleich, die so vielgepriesene Bundesrepublik Deutschland weist eine Letalitätsrate von circa 4,5 auf. Konnte übrigens an diesem Wochenende keine einzige Meldung über Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen hierzulande finden. Wo ist Widerstand 2020?

Tipp für heute: Pflaster halten 1A abgebrochene Brillenbügel zusammen, für ein paar Stunden zumindest.

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Corona-Tagebuch 86

7. Juni 2020

Über 15.000 Menschen demonstrierten gestern allein in Berlin gegen strukturellen Rassismus und solidarisierten sich mit dem Opfer von Polizeigewalt in den USA George Floyd. Vereinzelt kam es laut Polizei dabei zu Flaschen- und Steinwürfen. Vor allem aber wurde kritisiert, dass keinerlei Abstandsregeln eingehalten wurden, teilweise auch gar nicht eingehalten werden konnten. Ich finde es positiv, dass so viele Menschen gegen Rassismus auf die Straßen gehen, vor allem so viele junge Menschen. Das lässt mich hoffen, dass wir irgendwann einmal wirklich dahin kommen, dass die Hautfarbe keinerlei Rolle mehr spielt, zumindest in gesellschaftlicher Hinsicht. Nicht nur in punkto Gewalt oder offener Anfeindungen, sondern auch, dass niemand mehr gefragt wird, wo er eigentlich her kommt. Dass niemandem mehr gesagt wird, er spreche aber gut Deutsch, wenn man gar nicht weiß, wo er eigentlich herkommt. Dass niemandem mehr mitgeteilt wird, er habe sicher ein tolles Rhythmusgefühl, könne gut tanzen, sei eine Granate im Bett, „das kenne man ja“, wenn man es eben nicht kennt. Klar, besäße ich diese Eigenschaften alle gerne, doch wird man von vornherein so charakterisiert, ist es nicht nur so, dass man auf den Gebieten bloß enttäuschen kann und nicht als Individuum wahr genommen wird, nein, man weiß, dass jene Menschen die andere Seite der Medaille lediglich nicht erwähnen, die Kehrseite nämlich, dass sie dich als faul und geistig minderbemittelt einstufen. Wird natürlich niemand zugeben, doch diese Einschätzungen sind meiner Meinung nach immer noch äußerst verbreitet. Ein Mathematik-Professor mit schwarzer Hautfarbe wird schon noch bestaunt. Ob der sich wohl besonders anstrengen musste? Ich nehme mich da gar nicht aus. Mir fallen meine Vorurteile um so stärker auf, vergegenwärtige ich mir, wie schlimm ich es fand, wenn Weißhäutige im Mauerpark trommelten, wenn sie Reggae sangen und spielten oder Soul, Hiphop, Blues. Das können Weiße doch gar nicht, liegt denen nicht im Blut, moserte ich. Dabei habe ich zum Beispiel das sehr wohl im Blut. Ihr müsstet mich mal erleben, vor dem Spiegel. Die Dortmunder SPD hat einen Parteitag im Autokino abgehalten. Etwa 80 bis 90 PKW’s seien vor Ort gewesen, berichtete DPA. Die Delegierten mussten sich per Hupe zu Wort melden und bekamen dann ein Mikro gebracht. Abgestimmt wurde mit roten und gelben Karten, die aus dem Autofenster gehalten wurden. Apropos, in ganz Bayern fällt die Fußball-Saison 2020/2021 im Amateurbereich der Damen und Herren komplett aus. Der Bayrische Fußballverband (BFV) beschloss den Vereinen vorzuschlagen, die jetzige Spielzeit bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern. Nach dem Covid-19-Ausbruch bei Nerzen, werden alle Pelztiere der betroffenen Farmen in den Niederlanden mit Gas getötet und die Kadaver von einem Spezialbetrieb vernichtet. Ab 2024 ist die Zucht von Nerzen aufgrund eines Gerichtsurteils dort ganz verboten. Kalifornien will Film- und Fernsehdrehs ab 12. Juni wieder erlauben. Zahlreiche Auflagen müssen erfüllt werden. Abstandsregeln und das Tragen von Mundschutz werden lediglich empfohlen. Eine neue Corona-Filmkultur wird also zumindest aus Hollywood nicht kommen. Ungarn hebt die Beschränkungen im Reiseverkehr mit Deutschland auf. Der Vatikanstaat erklärt sich für coronavirusfrei. 2.000 Covid-19-Tote in Pakistan, fast 36.000 in Brasilien. Dort wird die Regierung künftig keinerlei Zahlen über Infizierte und Tote mehr veröffentlichen. Nachdem Präsident Jair ‚kleine Grippe‘ Bolsonaro bereits vorgestern erklärte „Das ist ab jetzt kein Thema für die Hauptnachrichten.“ twitterte er nun „Die kumulativen Daten spiegeln nicht wider, wo sich das Land gerade befindet.“ Sicher, sicher. Augen zu und durch.

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt (Re-Start vor Publikum) mit Heiko Werning, Dr. Jakob Hein, Falko Hennig, Gott und Ahne, einer Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne von Jürgen Witte aus Steglitz und unserer Super-Stargästin Lisa Steger (wegen Corona-Abstandsregeln dürfen zur Zeit nur 25 Gäste in die Baiz, sämtliche Plätze sind bereits vergeben, wir übertragen allerdings auch live auf unserem Facebook-Kanal). Für nächste Woche vorbestellen? reservierung-reformbuehne@web.de

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Corona-Tagebuch 85

6. Juni 2020

Töchterlein ist heute zum Geburtstag eingeladen. Dieser findet von 14 bis 21 Uhr irgendwo in Kreuzberg statt und sie verscheißerte mich erst mal richtig schön mit der Ansage, dass es dort kein Essen und Trinken geben würde, das solle man von zu Hause mitbringen, ein paar Stullen und eine Wasserflasche oder so, wegen Corona. Das Schlimme war, ich glaubte ihr. Ich war innerlich bereits am Butterstullen schmieren als sie mir auf die Schulter schlug und zu lachen begann. Mitlachen konnte ich nicht, weil ich entsetzliche Rückenschmerzen habe, nicht durch Corona, nur normale Rückenschmerzen, Nerv eingeklemmt, Nerv entzündet, irgend so ’n Scheiß. Töchterlein aber weiß Rat, Yoga-Übungen, pinkelnder Hund, scheißende Katze, etwas in der Art. Wird bestimmt helfen. Der türkische Präsident Erdogan hat die Ausgangssperre für das Wochenende kurz nach der Verkündung wieder zurück genommen, wegen Protesten aus der Bevölkerung. Pakistan hingegen verschärft nach dem Anstieg der Infektionszahlen die Bestimmungen wieder. In der Hauptstadt Islamabad wurden 10 Stadtteile durch Polizeisperren abgeriegelt. Dasselbe gilt in Russland für die ganze Hafenstadt Sewerodwinsk, dort müssen seit gestern Nacht 180.000 Bewohner laut Gouverneur Alexander Zybulsky „eine Woche oder zehn Tage durchhalten“. Um in der Corona-Krise Geld zu sparen, schafft Bolivien drei Ministerien ab, das Sportministerium, das Kulturministerium und das Kommunikationsministerium. Übergangspräsidentin Jeanine Anez: „Alles Eingesparte wird in die Gesundheit und den Kampf gegen das Coronavirus gehen.“ Auch die Botschaften in Nikaragua und dem Iran werden geschlossen. Dazu die Regierungschefin: „Wir haben nichts gegen die Länder (…), es ist, um zu sparen und dieses Geld zu investieren.“ Wann die Botschaft in den USA geschlossen wird, gab sie nicht bekannt. Polen verlängert das Verbot von Auslandsflügen bis 16. Juni. Auch die Schweiz öffnet am 15. Juni ihre Grenzen für alle EU- und Efta-Bürger. Der Bürgermeister der italienischen Kommune Limone sul Garda, Antonio Martinelli, versucht Urlauber an den namensgebenden Gardasee zu locken: „Die Besucher können sich hier absolut sicher fühlen.“ und „Unser Ort ist immun.“ erklärte er der Nachrichtenagentur DPA. Dann dürfte man dort das Serum für den Impfstoff finden. Bangladesh hat wegen der Pandemie Hunderte Kinder aus dem Untersuchungsstrafvollzug entlassen, die dort zumeist wegen Bagatelldelikten einsitzen. Laut Unicef-Angaben sind rund 23.000 Verfahren mit Hauptverdächtigen unter 18 seit Jahren anhängig. Über 100 Covid-19-Tote im Jemen, über 5.000 in Peru, über 6.000 in den Niederlanden, über 40.000 in Großbritannien. Dort gilt ab dem 15. Juni nun ebenfalls eine Maskenpflicht für den ÖPNV. Was mir noch aufgefallen ist, zu Beginn der Berichterstattung über die Pandemie wurde fast immer in der männlichen Version von „dem Virus“ gesprochen, Wochen später mal so mal so, jetzt aber wird hauptsächlich die sächliche Version genutzt, „das Virus“ gesagt. Juchhu! Ick hab mir durchjesetzt!

Tipp für heute: Als ob es immer so wichtig wäre, wer gewinnt.

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