Corona-Tagebuch 239

15. Februar 2021

Heiko Werning ist schuld. Daran, dass ich so spät aufgestanden bin, an meinen Kopfschmerzen und sicher auch an der Corona-Pandemie insgesamt. Ich bin doch nichts mehr gewohnt und er überredete mich gestern zu bleiben, nach der Reformbühne, da mir doch soziale Kontakte fehlen würden und, na ja, hat er ja recht, aber bleiben ging eben nur, wenn ich weiter Bier trinke und das war dann bereits das vierte und eindeutig eins zu viel. Obwohl man ja Gutes tut, die Brauereien müssen so viel Bier wegschütten, was würden die Kinder in.., halt, gerade noch ein Stigma vermieden. Thomas Gottschalk, bekannter Entertainer und blond, will künftig nicht mehr das Z-Wort sagen. Das Z-Wort, das N-Wort. Haben einzelne Worte die Macht Böses zu bewirken, egal in welchem Zusammenhang sie verwendet werden? Scheinbar schon. Unsere Arbeit als ‚Votzenblock‘, männliche und weibliche Votzen für eine bessere Welt, scheint gescheitert. Trotzig aber denke ich, es wird eine Zeit geben, wo man eher belustigt auf momentane Debatten über „böse“ Worte zurückblickt, ähnlich wie es uns heute mit den Maschinenstürmern des 19. Jahrhunderts geht. Nicht ob man etwas verwendet, sondern wie und für was man etwas verwendet, sollte doch wichtig sein, so denke ich. Zigeuner, Neger, Jude, schwul. Vier Worte, die verletzen können, die beleidigen können, die diskriminieren können, oder auch nicht. Auf den Zusammenhang kommt es an. Nun könnte man sagen, die Atomkraft beherrschen wir nicht wirklich, deshalb verzichten wir auf ihre Anwendung   und ganz ähnlich verhält es sich bei bestimmten Worten. Ein Argument. Nur müssten wir dann nicht darauf hinarbeiten, den Umgang damit beherrschen zu lernen? Vor den tschechischen Grenzübergängen nach Deutschland kommt es zu kilometerlangen Staus, da nur noch in Ausnahmefällen Nichtdeutsche ohne festen Wohnsitz hier, die Grenze überqueren dürfen. Lastwagenfahrer gehören zu diesen Ausnahmefällen, müssen jedoch vor Grenzübertritt sich digital anmelden und einen höchstens 48 Stunden alten Negativ-Coronatest vorlegen. Die harte deutsche Vorgehensweise wird sowohl von der EU, als auch von Tschechien, der Slowakei, Österreich und Frankreich kritisiert. In Großbritannien müssen Einreisende aus 33 Ländern von einer ‚Roten Liste‘, darunter als einziges europäisches Land Portugal, künftig ihre 14-tägige Quarantäne in von der Regierung gemieteten Hotelzimmern in Flughafennähe verbringen, welche sie selbst zu bezahlen haben. Wer nicht dort eincheckt, dem droht eine Strafe von bis zu 10.000 Pfund. 11.000 €? Für falsche Angaben auf dem verpflichtenden Einreiseformular sind bis zu 10 Jahre Haft möglich. 11 €-Jahre? Tschechien verhängt gegen den Willen des Parlaments erneut einen Corona-Notstand. Gratis-Corona-Schnelltests gibt es ab 1. März in österreichischen Apotheken, jeder Bürgerin, jedem Bürger stehen bis zu fünf davon im Monat zur Verfügung. Bis Sommerende will die EU allen ihren Einwohnern ein Impfangebot gemacht haben, so verspricht es jedenfalls EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton im französischen Fernsehen. Es sei dazu kein Impfstoff, zusätzlich zu den geplanten Mitteln, nötig. Na, abwarten. Italien zieht die Öffnung seiner Skigebiete wieder zurück. Bei zwei der drei Neuinfektionen im neuseeländischen Auckland wurde die B.1.1.7.-Variante festgestellt. Über 400 Covid-19-Tote meldet Bahrain, über 1.000 Kuwait, über 65.000 Deutschland, über 485.000 die USA. Weil sie heimlich schon vor Beginn der Impfkampagne sich impfen ließ, musste nun auch Perus Außenministerin Elisabeth Astete zurücktreten. Es sei ein „schwerer Fehler“ gewesen, teilte sie auf Twitter mit. Der abgesetzte Ex-Präsident Martin Vizcarra hingegen bezeichnete seine vorzeitige Impfung als „mutige Entscheidung“, da er freiwillig an einer Studie teilnahm. Die für die Studie zuständige Universität in Lima teilte allerdings mit, Vizcarra sei kein Teil der Studie gewesen. Autsch!

Tipp für heute: Sich gut vorher überlegen, welche Lüge auffliegen könnte.

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