Corona-Tagebuch 243

19. Februar 2021

Schlechte Laune. Bin gereizt. Gucke zu viel Fernsehen. In meinem Zimmer steht ein Riesenstapel Kisten mit alten Büchern. Meinen alten Büchern. Der Verlag musste ausmisten. Jetzt lagern die Dinger hier, bei mir. Habe blickdichten Stoff drüber gehängt. Nicht mal die Rechnungen für den Transport aus den Kisten geholt. Warte auf die erste Mahnung. Die kommt. Spätestens in drei Monaten. Ich habe Zweifel. Auch an diesem Tagebuch hier. Ist die Pandemie erst vorbei, will doch sowieso niemand mehr was davon wissen. War es beim Zweiten Weltkrieg anders? Die Nazizeit wurde über zwanzig Jahre später begonnen aufzuarbeiten. Du meine Güte, jetzt vergleiche ich die Nazizeit schon mit Covid-19. Mutiere ich langsam zum Querdenker? Aber Vergleiche sind wichtig. Man muss alles miteinander vergleichen dürfen und sei es um festzustellen, dass es nicht viel miteinander zu tun hat. Der Virologe Hendrik Streeck empfiehlt: „Man sollte jetzt testweise Restaurants öffnen und diverse Hygienemaßnahmen von der Distanz zwischen den Tischen über die Lüftung bis hin zur Kontaktnachverfolgung auf den Prüfstand stellen.“ Logistik- und Einzelhandelsverbände warnen vor den Folgen der rigiden Grenzkontrollen. „Es ist in keinster Weise nachvollziehbar, warum die Bundesregierung nicht analog zur ersten Corona-Welle dem Güterverkehr freie Fahrt lässt, sondern uns in den Versorgungskollaps steuert.“, so Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Versorgungskollaps? Heilige Scheiße! Nudeln horten? Schon wieder? Katharina Witt, ehemalige Volkskammerabgeordnete der FDJ und jetzige Betreiberin eines Sportstudios in Potsdam setzt bei ‚Maybritt Illner‘ im ZDF noch einen drauf. Zur Situation ihrer Branche sagt sie: „Es geht ums nackte Überleben.“ Nicht vielleicht ein bisschen übertrieben, Frau Schönstes-Gesicht-des-Sozialismus? Laut einer Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sterben die meisten Menschen nicht mit sondern an Covid-19. In 84% der Fälle, oder bei 618 von 735 Untersuchten, war das Virus Todesursache, in 7% der Fälle die Verstorbenen zwar infiziert, die Todesursache jedoch eine andere. Die Zahl gemeldeter Neuinfektionen innerhalb einer Woche sank in Europa erstmals seit September 2020 wieder unter eine Million, gab die WHO bekannt, seit drei Wochen sinke auch die Zahl der Todesfälle. In Afrika dagegen steigen sowohl Infektions- wie Todeszahlen, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Simbabwe und Neuseeland haben begonnen zu impfen. China spendet Algerien 200.000 Impfdosen. Der Vatikan droht Impfverweigerern unter seinen Beschäftigten mit Kündigung. In Frankreich beträgt mittlerweile der Anteil der B.1.1.7.-Variante an den Neuinfektionen 36%, in Deutschland liegt dieser bei 22%. Israel verlängert die Schließung seiner Grenzen bis 6. März, Nordirland den Lockdown bis 1. April, lediglich die untersten Klassen dürfen dort zum Präsenzunterricht ab 8. März zurückkehren. Eine Online-Umfrage zur Aufhebung von Corona-Einschränkungen hat die ungarische Regierung gestartet. Und wann folgt die Online-Umfrage zur Aufhebung der Maßnahmen gegen freien Journalismus, Herr Orban? Über 300 Covid-19-Tote meldet Malta, über 3.000 die Dominikanische Republik und Paraguay. Der stellvertretende Bundestagspräsident Wolfgang Kubicki (FDP): „Die Wut wird irgendwann in Gewalttätigkeit umschlagen, befürchte ich.“ Aber tut sie das nicht immer? Gegen andere? Gegen sich selbst? Irgendwann?

Tipp für heute: Einen Sandsack im Zimmer aufhängen, der zur Tapete passt.

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