Corona-Tagebuch 396

25. Juli 2021

Meinen Sohn in seiner ersten Mietwohnung besucht. 29 m². Also, er ist Mieter, nicht Besitzer, muss man im Prenzlauer Berg mittlerweile hinzufügen. Drinnen befanden sich bereits 2 Freundinnen und die Mutter. Dazu ich und meine Mutter, seine Omi. 6 Leute und Kram. Zu eng. Verabschiedete mich recht bald. Mir ist es peinlich, dass ich handwerklich nichts drauf habe. Es müssten Lampen angebracht werden und ich kann als Vater nicht sagen: „Gib mal den Werkzeugkasten, ich mach das.“ Stehe nur da, gucke nach oben, atme tief ein. So einen Vater wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. 65.000 liefen beim Christopher Street Day (CSD) gestern durch Berlin. Die größte Berliner Demo seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020. Im Netz echauffieren sich Bürger über die „Partydemo“. Manche aus epidemiologischen Gründen, gerade bei Konservativen mischt sich jedoch häufig Homophobie in die Kritik. Geäußert wird, Sexualität sei etwas Privates, gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Würden jene Maßstäbe auf die Heterosexualität angewendet, kein Küssen, kein Händchenhalten, keine Umarmungen im öffentlichen Raum, in den Medien, der Kunst, das Land wäre nicht wiederzuerkennen. User ‚Herbert‘ wies beim RBB auf das eigentliche Problem von Großveranstaltungen hin. Er selbst war beim CSD, fuhr anschließend in einer prall gefüllten U-Bahn vom Nollendorfplatz nach Hause, wo ausgelassen gesungen und getanzt wurde, größtenteils ohne Maske. Nordrhein/Westfalen verbietet wieder Volks- und Schützenfeste. Die Niederlande und Spanien gelten ab Dienstag hierzulande als Hochinzidenzgebiete. Über 160.000 Menschen demonstrierten gestern in Frankreich gegen verschärfte Corona-Regeln und die Impfpflicht im Gesundheitswesen, in Rom 3.000 gegen den ‚Grünen Pass‘, in Athen flogen bei Protesten gegen die Impfpflicht Molotow-Cocktails, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Ein 15-tägiger Lockdown wurde über Hanoi verhängt. In Island müssen Bars und Nachtclubs wieder Mitternacht schließen. Der positiv getestete deutsche Olympionike und Radprofi Simon Geschke fühlt sich in seiner Quarantäne-Unterkunft in Tokio an die Psychiatrie erinnert: „Man wird um 7 Uhr von einem Lautsprecher geweckt, im Zimmer.“ Türen und Fenster wären geschlossen, Wäsche solle man selber waschen, im Waschbecken, an Essen muss man nehmen was kommt. Ob Herr Geschke jemals eine psychiatrische Einrichtung von innen sah? Über 200 Covid-19-Tote meldet Gambia, über 3.000 Simbabwe, über 150.000 Russland, über 420.000 Indien. Helge Schneider, großes Idol von mir, hat seinen Auftritt beim ‚Strandkorb-Open-Air‘ in Augsburg nach einer halben Stunde abgebrochen, mit den Worten: „Ich muss sagen, das geht mir ziemlich auf den Sack.“ Zuschauer in mit Sicherheitsabstand aufgestellten Strandkörben, eilfertig umher laufende Servicekräfte, keine Stimmung. Dieses Konzept wurde 2020 laut ‚Spiegel‘ mit dem Deutschen Tourismus-Preis ausgezeichnet. Herr Schneider auf der Bühne: „Das System ist einfach fadenscheinig und doof.“

Heute: Berlin, FIT-Tankstelle, 19 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Susanne Riedel, Spider, Falko Hennig, Gott und mich, sowie dem musikalischen Superstargast Ivo Smolak (slowakisch angehauchte Welthits!) und garantiert keine umher laufenden Servicekräfte!

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