Corona-Tagebuch 488

18. November 2021

Corona wird wieder zum beherrschenden Thema in Deutschland. Und der Ton, zumindest nach meinen Erinnerungen, ist rauer als vor einem Jahr. Waren es da eher „Kritiker“ der Maßnahmen, die sich aggressiv äußerten, geht es momentan, sowohl in sozialen Netzwerken als auch etablierten Medien, den Ungeimpften an den Kragen. Und das, wie ich finde, oft unter der Gürtellinie. Man kann doch, so lange es keine Impfpflicht gibt, nicht von einer „Tyrannei der Ungeimpften“ sprechen, nur weil Menschen sich frei entscheiden, von ihrem Recht Gebrauch zu machen. Solchen verbalen Entgleisungen müsste vehement widersprochen werden, stattdessen äußern Politiker und Moderatoren, vorgestern der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Verständnis. Man hätte natürlich eine allgemeine Impfpflicht verhängen können, nur die haben sämtliche politisch Verantwortlichen von Anfang an ausgeschlossen und kaum eine Gelegenheit verstreichen lassen, dies zu wiederholen und zu betonen. Warum eigentlich? Damit man jene, die sich nicht impfen lassen, als Tyrannen bezeichnen kann? Ist es nicht möglich, dass die aufkeimende Wut ein wenig damit zu tun hat, dass die Impfstoffe nicht ganz so gut wirken, wie wir das dachten? Man bekommt seltener einen schweren Verlauf, sicher, und die meisten Covid-Kranken auf Intensivstationen sind Ungeimpfte, doch es sind eben nicht nur ein paar Impfdurchbrüche und der Impfschutz nimmt eher ab, als vermutet. Und vielleicht gibt es ja doch bald wieder einen Lockdown für alle, obwohl dies vorher ebenfalls ausgeschlossen wurde und daran muss ja jemand schuld sein. Hole mir selbst meine dritte Impfung. Bin nach wie vor von überzeugt, dass sie mich und andere schützt. In Berlin soll das jetzt bereits 5 Monate nach der Letzten möglich sein. Gut. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institutes: „Wir laufen momentan in eine ernste Notlage. Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.“ Er prophezeit, in den nächsten Wochen würden 400 Deutsche pro Tag an Covid sterben, „daran gibt es nichts zu ändern.“, fordert, in einer Online-Diskussion mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), die Schließung von Clubs und Bars, sowie die Absage von Großveranstaltungen: „Die Prognosen sind superdüster. Sie sind richtig düster“ und „Wir waren noch nie so beunruhigt wie jetzt.“ Sachsens Krankenhauskoordinator Michael Albrecht: „Meine persönliche Empfehlung wäre: Machen sie jetzt einen totalen Lockdown für 14 Tage.“ Der Chef der kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, hält dagegen: „Die Lage ist schwierig, aber für Panik besteht kein Anlass“ und „Insbesondere von einigen Politikern und Experten wird versucht, die Ampel-Parteien mit düsteren Szenarien und fast schon hysterisch anmutenden Warnungen extrem unter Druck zu setzen.“ Belgien führt die Homeoffice-Pflicht wieder ein, 4 Tage die Woche. In Tschechien gilt ab Montag 2G bei allen öffentlichen Veranstaltungen und Dienstleistungen. Schwedens Regierung plant ab 1.12. ein Corona-Zertifikat, für Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmenden. Bisher gab es das dort nicht. Schweden gehört zu jenen Ländern in Europa mit eher geringer 7-Tage-Inzidenz. Rekorde an Neuinfektionen melden die Slowakei, 8.342, Österreich, 15.145 und Deutschland, 65.371 Fälle am Tag. Über 200 Covid-19-Tote verzeichnet Barbados, über 6.000 Algerien, über 10.000 Kroatien.

Tipp für heute: Auch ungeimpften Covid-Erkrankten baldige Genesung wünschen, selbst wenn sie hätten besser für ihren Schutz sorgen können.

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