Corona-Tagebuch 576

23. Februar 2022

Heute kommt mein großer Sohn zu Besuch. Also vielleicht. Er weiß es noch nicht, weil er sich am Wochenende mit zwei Freunden traf, unabhängig voneinander, die, unabhängig voneinander, positiv getestet worden sind, im Anschluss. Kompliziert. Hab einfach gesagt, er solle sich heute testen lassen und, wenn der Schnelltest negativ ist, kommen. Muss ja wissen, was ich koche. Kommt er, gibt es Fleisch, kommt er nicht, gibt es kein Fleisch. Andere besteigen Achttausender, mir reicht schon so was, um ins Schwitzen zu geraten. Ich bin einfach nicht für einen Weltkrieg geschaffen. Nach einer dänischen Studie ist es sogar möglich sich mit zwei Untervarianten von Omikron kurz hintereinander anzustecken. Bin also keinesfalls aus dem Schneider. Mache mich aber auch nicht verrückt. Schnitzel oder Gulasch? Zur Präsenzpflicht kehren nächste Woche die Berliner Schulen zurück, Brandenburger Schulen erst Anfang März. Dafür streicht Brandenburg bis auf das Abstandsgebot alle Corona-Auflagen für Demonstrationen, also Teilnehmerobergrenze und Maskenpflicht. Wer sich unsicher ist, ob er als Brandenburger Selbstständiger oder Brandenburger Firma zu viel Geld der Corona-Soforthilfe in den letzten beiden Jahren erhielt, kann, laut RBB, bei einer Telefon-Hotline der Investitionsbank Brandenburg (ILB) anrufen und nachfragen. Stark! Die Rückzahlung der Förderhilfe ist in Raten möglich. Knapp 280 Millionen € flossen so in Berlin wieder zurück ins Töpfchen. Bisher! Nach Behördenangaben werden mehr als 100 Mitarbeiter in der Hauptstadt noch 2 bis 3 Jahre lang damit beschäftigt sein, Corona-Hilfen zu prüfen. Hat es gerade geklingelt? Im Ukraine-Konflikt verhängten jetzt tatsächlich viele „westliche“ Staaten Sanktionen gegen Russland, hatte ich gestern zu früh verkündet. Deutschland, zum Beispiel, stoppt das Erdgas-Projekt ‚Nordstream-2‘. Hongkong kündigt für März flächendeckende Corona-Tests an. Rekorde an Neuinfektionen melden Neuseeland, 3.183 und Südkorea, 171.448 Fälle am Tag. Über 5.000 Covid-19-Tote verzeichnet Australien, über 10.000 der Libanon, über 110.000 Polen, über 340.000 Russland, über 645.000 Brasilien. Eine deutsche Initiative von 700 Ärzten und Therapeuten hat sich in einem Offenen Brief an den Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gewandt, mit der Bitte, sich für die Aufhebung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht einzusetzen: „Wir befürchten, unsere Praxen schon in Kürze schließen oder unsere Tätigkeit in der Klinik beenden zu müssen“, heißt es im Schreiben der Initiative ‚Freie Ärzte Rhein-Main‘, „Entweder, weil wir selbst uns dem Impfzwang nicht unterwerfen wollen oder weil unserem nicht geimpften oder nicht weiter impfwilligen, für uns unentbehrlichen Praxispersonal vom Gesundheitsamt ein Betreuungsverbot ausgesprochen wird.“ Frage mich ja, vom Impfzwang mal abgesehen, ob jene Initiative ‚Freie Ärzte Rhein-Main‘ mit ihrem Namen allen anderen Ärztinnen und Ärzten unterstellen möchte, sie seien nicht frei? Zumindest im Rhein-Main-Gebiet? Bin ich eigentlich ein freier Schriftsteller?

Tipp für heute: Ein Wort suchen, was häufiger missbraucht wurde als ‚Freiheit‘.

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