Die können ja nicht mal richtig Autofensterscheiben putzen

16. Juni 2009

Während im Iran Massen gegen Wahlfälschung demonstrieren, vom Westen euphorisch verfolgt (in Ägypten, Saudi-Arabien, Kuweit, Marokko usw. usf. ist man dagegen ganz zufrieden mit den dortigen Diktaturen), während in China 19 Menschen durch einen Hagelsturm sterben und in Mexiko die größte Hose der Welt präsentiert wird, diskutiert man in Berlin über die von Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner gezahlte Rückkehrhilfe für rumänische Roma. Konservative Parteien und Medien schelten dieses ‚Geldgeschenk‘ und fürchten einen Ansturm anderer Zigeuner. Und sicherlich haben sie damit auch gar nicht mal so Unrecht, allerdings, was bitteschön haben sie denn für eine Antwort? Wie soll man denn reagieren auf Menschen, die, weil sie nicht können oder wollen, sich zu einem erheblichen Teil nicht in die herrschende Gesellschaftsform einordnen lassen? Die Romantik in Musik und Film nimmt man gerne, sei es von Indianern oder eben den Sinti und Roma, doch geht es um soziale Probleme, sieht man sie lieber woanders, von wo man sich ja, bei Bedarf, Dokumentationen anschauen kann. Ich finde, wenn wir eine offene Welt wollen, so müssen wir auch mit ihren unschönen Begleiterscheinungen leben können oder wie es ein Roma in der ‚Berliner Zeitung‘ ausdrückte „Die Deutschen sind die Sinti und Roma nur einmal in der Geschichte losgeworden, mit den Holocaust-Lagern im 2. Weltkrieg“.

Tipp für heute: Auch mal vagabundierend durch ein anderes Land ziehen und die Menschen mit Feuerspucken unterhalten.

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4 Kommentare zu “Die können ja nicht mal richtig Autofensterscheiben putzen”

  1. 01

    Habe mal versucht, mit einem osteuropäischen Mädchen über Wechselgeld fürs unerwünschte Autofrontscheibeputzen zu verhandeln. Wollte 1 Euro geben, hatte nur 2, wollte also 1 wieder zurück. Ende vom Lied war, dass ich nichts gab.
    Extrem schwierige Kiste das.

    nomadyss am 16. Juni 2009 um 21:37
  2. 02

    Mir hat neulich eine Bekannte, die in Spanien mit ihrem Freund zusammen Straßentheater machte, ihrer Meinung nach stümperhaftes, einzig dem Gelderwerb geschuldetes, erzählt, dass ihr, ob aus Mitleid oder Solidarität, eine Roma-Frau einen 100 €-Schein in den Hut warf. Einen echten! Sicherlich nicht die Regel, aber eine schöne Geschichte, finde ich.

    Ahne am 17. Juni 2009 um 13:50
  3. 03

    Dass man (nicht nur) im Westen die Ereignisse im Iran verfolgt, hat zwar auch mit den Wahlfälschungen, hauptsächlich aber mit den Reaktionen in der Bevölkerung zu tun. das letzte Mal, dass so viele Iraner auf die Straße gegangen sind um zu protestieren, war vor der 79er Revolution. In Ägypten gibt es solche Szenen nicht. Auch nicht die komplette Ausschaltung der Presse.

    Natürlich wird über Menschenrechtsverletzungen selektiv berichtet, aber macht es die Menschenrechtsverletzungen im Iran weniger schlimm, dass auch in Marokko Wahlen gefälscht werden und in Saudi-Arabien die Frauen noch weniger Rechte haben? Soll man dann lieber ganz die Klappe halten?
    Ich bin jedem Journalisten dankbar, dem es gelingt, das Thema Menschenrechte in die Medien zu hieven.

    Dan Richter am 24. Juni 2009 um 22:32
  4. 04

    @ Dan Richter: Auch ich bin jedem Journalisten dankbar, der über das Thema Menschenrechte schreibt und auch ich wünsche mir, dass die Protestierenden im Iran erfolgreich sind. Und selbstverständlich soll man nicht die Klappe halten. Ich vermisse bei der Berichterstattung nur die Objektivität. Denn, sicherlich wurde die Wahl gefälscht aber kaum einer erwähnt, dass in Saudi-Arabien, in Algerien, in Jordanien usw. solch eine Wahl überhaupt erst gar nicht möglich wäre. In Ägypten wurden nach einem überraschenden Wahlerfolg der Muslimbrüder die Wahlen einfach kurzerhand anulliert, ohne dass der Westen auch nur ein zugekniffenes Auge darauf richtete. Im Westen toleriert man durchaus totalitäre Regime, sie müssen eben bloß ‚prowestlich‘ sein. (interessant in diesem Zusammenhang das plötzlich zuckersüße Kuscheln mit dem Lukaschenko-Regime in Weißrussland)

    Ahne am 25. Juni 2009 um 10:23

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