Corona-Tagebuch 49

1. Mai 2020

Herzlichen Glückwunsch allen Arbeiterinnen und Arbeitern, die sich der Arbeiterklasse zugehörig fühlen, zum heutigen Internationalen Kampf- und Feiertag! Ich weiß, in Deutschland heißt er mittlerweile ‚Tag der Arbeit‘. Hitler hatte ihn zunächst sogar in ‚Tag der nationalen Arbeit‘ umbenannt, wenigstens das „nationalen“ ist weg. Und vielleicht heißt er ja auch bald wieder anders. Christian Lindner zumindest, den viele noch als Patrick Lindner kennen, welcher mal volkstümliche Schlager zum besten gab, führt seit einiger Zeit die Besserverdienenden-Partei FDP und dieser Patrick, Verzeihung, Christian, regte nun an, aufgrund der Corona-Krise den 1. Mai in „Tag für Arbeitsplätze“ umzubenennen. Damit wäre die Metamorphose fast abgeschlossen. Aus einem Tag der Arbeiter, die für ihre Rechte kämpfen, würde nach der Umwandlung in einen Tag der Tätigkeit, die sie ausüben, ein Tag der Plätze, wo sie diese Tätigkeit ausüben dürfen, beziehungsweise müssen. Fehlt im Prinzip nur noch ein Schritt. Wer stellt sie nämlich zur Verfügung, die Plätze, wo Prolls schuften dürfen? Klar, die verdanken wir den Kapitalisten, oder wie man sie hierzulande liebevoll nennt, den Arbeitgebern. ‚Tag der Arbeitgeber‘, oder ‚Tag der Unternehmerinnen und Unternehmer‘, damit könnten doch wohl alle leben. Alle jedenfalls, welche wirklich profitieren von unserem System. Unruhen gegen die Maßnahmen wegen Covid-19 werden aus Frankreichs Vorstädten gemeldet. In Michigan/USA drangen nach einer Demonstration wider die Ausgangsbeschränkungen teils bewaffnete Protestierende in das Parlamentsgebäude ein. Auch in Deutschland mehren sich so genannte „Spaziergänge“, die sich gegen den Entzug von Grundrechten wenden. Sie vermuten Corona lediglich als Vorwand, wodurch hier und (weltweit?) eine Diktatur errichtet werden könnte, verteilen das Grundgesetz, lehnen Masken- und Impfpflicht ab und sehen sich in der Tradition der Bürgerrechtsbewegungen. Verbinden tut diese Menschen, von AfD-nah und Verschwörungstheoretikern, über Radikalliberale und Basisdemokraten, bis hin zu Linken oder sich links Nennenden, die Angst vor einem „Hygiene-Regime“, wie es in ihrer Zeitung ‚Demokratischer Widerstand‘ heißt. Man wird sehen, wohin sich diese Bewegung entwickelt. Mir schwant nichts Gutes. Ich halte Abstand. Ungarn will ab Montag die Beschränkungen in ländlichen Gebieten zurücknehmen, in Spanien ist es ab jetzt erlaubt zwischen 6 und 10 Uhr morgens, sowie 20 und 23 Uhr abends spazieren zu gehen, in Deutschland sollen Museen, Zoos, Ausstellungen, Gedenkstätten, Spielplätze und Botanische Gärten wieder eröffnen, in China darf man die ‚Große Mauer‘, hierzulande ‚Chinesische Mauer‘ genannt, wieder besichtigen, auch Thailand lockert, nächtliche Ausgangssperre und Verkaufsverbot für Alkohol bleibt allerdings bestehen. In Tschechien dürfen ab 11. Mai sämtliche Kulturinstitutionen öffnen, für maximal 100 Personen. In 31 türkischen Städten läuft dagegen seit Mitternacht eine dreitägige weitgehende Ausgangssperre. Kalifornien schließt erneut seine Strände und Interpol warnt vor als Pizzaboten getarnten Drogenkurieren. Diese hätten in zahlreichen Ländern, von Großbritannien über Spanien und Irland bis Malaysia Kokain, Haschisch, Ketamin oder Ecstasy in ihren Kartons und lieferten bis an die Haustür. Vorsicht, Leute, das ist sicher nicht gesund!

Heute: Weltweites Internetz, Facebookkanal des Comedyclubs Kookaburra, 20 Uhr: Ahne liest, singt und trinkt schon wieder (neue Texte, alte Schlager, Bier) 60 min Livestream mit aktuellem Kram und Pipapo, Spenden werden sehr gern genommen

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