Corona-Tagebuch 58

10. Mai 2020

Muttitag, beziehungsweise Muttertag, den ich traditionell nicht feiere, weil ich jahrelang verbreitete, dies sei ein Nazi-Feiertag, was nicht stimmt. Der Muttertag geht auf die Methodistin Anna Marie Jarvis zurück, die 1907, aus Liebe zu ihrer verstorbenen Mutter, 500 weiße Nelken an andere Mütter verteilte und später, der Muttertag wurde 1914 in den USA zum nationalen Feiertag erklärt, wegen zunehmender Kommerzialisierung für die Abschaffung des Feiertages kämpfte. Erfolglos. In Deutschland kümmerte sich ab 1926 die ‚Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung‘, schöner Name irgendwie, um die Propagierung des Muttertages und konnte im Jahre 1933 die Sektkorken knallen lassen, denn da wurde hierzulande der Muttertag zum offiziellen Feiertag erklärt. Wer das Jahr 1933 noch mit etwas anderem in Verbindung bringt, hat möglicherweise in Geschichte gut aufgepasst. Zehntausende Menschen demonstrierten gestern in der Bundesrepublik gegen die Corona-Maßnahmen. 5.000 in Stuttgart, 3.000 in München, 2.000 in Nürnberg. In Nürnberg, Dortmund und Berlin, wo auf dem Alexanderplatz sich 1.250 Menschen versammelten, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auf dem Alexanderplatz ertönten, die bereits von Pegida-Demonstrationen sattsam gewohnten, „Volksverräter“-Rufe. Auch in Nürnberg und Dortmund waren laut Polizei Rechtsextremisten für die Rangeleien verantwortlich. Mehrere katholische Bischöfe, darunter der Deutsche Gerhard Ludwig Müller, unterzeichneten den dreiseitigen Aufruf ‚Veritas liberabit vos!‘, auf deutsch ‚Die Wahrheit wird euch befreien!‘, welcher angesichts der Maßnahmen gegen die Pandemie vor dem „Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“ warnt, es gebe Grund zu der Annahme „dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind in der Bevölkerung Panik zu erzeugen“, „supranationale Einheiten“ mit „unklaren Absichten“. Juden werden nicht wörtlich erwähnt. Die deutsche Bischofskonferenz distanziert sich trotzdem. In Brasilien beginnt eine dreitägige Staatstrauer. Mittlerweile über 10.000 Tote dort. Ob Präsident Bolsonaro mittrauert? Barcelona öffnet seine Strände für sportliche Aktivitäten, die Faröer-Inseln erklären sich offiziell für coronafrei. Wegen anhaltender Beschränkungen will Firmengründer Elon Musk den Sitz seines Elektroautoherstellers Tesla „sofort“ von Kalifornien in einen anderen US-amerikanischen Bundesstaat verlegen. Texas oder Nevada, das weiß er noch nicht genau. Weltweit mehr als 4 Millionen Infizierte und über 279.000 Tote. Erfreuliches gibt es von wissenschaftlicher Seite zu berichten. Wie die Mücken-Expertin des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung Doreen Werner der Deutschen Presse Agentur (DPA) mitteilte, existieren bisher keinerlei Erkenntnisse, dass das Virus von Stechmücken übertragen werde.

Heute: Weltweites Internetz, Facebook-Kanal der Reformbühne Heim & Welt, 20 Uhr: Quarantänebühne Heim & Welt mit Heiko Werning, Dr. Jakob Hein, Technik-Held Frank Sorge, Falko Hennig, Gott und mich, einer Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne von Jürgen Witte aus dem Trendbezirk Steglitz und aus München Lieder von unserer Superstargästin Le-Thanh-ho

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