Corona-Tagebuch 62

14. Mai 2020

Gescheitert bin ich damit einen Zwillingsflaschenöffner zu bedienen. Der Chef des Spätkaufs in der Neuköllner Herrfurthstraße musste mir beim Festhalten einer der beiden Flaschen helfen. Danke, aber so lernt man es natürlich nie. Zum Glück haben vor kurzem die Spielplätze wieder aufgemacht. Es gibt nichts Schöneres als unter dem Sternenzelt am Rande eines Buddelkastens auf der Bank zu sitzen und ein Bierchen nach dem anderen in sich hinein zu kippen. Freund Sedlmeir und mir kamen während dessen die allerbesten Ideen. Wie man das Virus besiegt, wie man die Ungerechtigkeiten in der Welt aus der Welt schafft, wie man zufrieden einschläft, wie man zufrieden aufwacht. Leider vergisst man kurz darauf alles, weshalb man sich erneut treffen muss, wieder Bier trinkt und schon darf man sich Alkoholiker nennen. Wien spendet sämtlichen 950.000 Haushalten der österreichischen Hauptstadt einen Corona-Gutschein für Restaurantbesuche über 50 €, um damit die Gastronomie anzukurbeln. Mit diesem dürfen allerdings keine alkoholischen Getränke gekauft werden. Ein Wermutstropfen, wie ich finde, oder kein Wermutstropfen, leider. Der Wintersportort Ischgl in Österreich, bekannt für Wermutstropfen in Hülle und Fülle, meldet keinen aktiven Corona-Fall mehr, dafür hat Lesotho jetzt seinen ersten, als letztes der 54 afrikanischen Länder. Mehr als 1.000 Corona-Tote in Indonesien, mehr als 250.000 Infizierte in Russland. In Bulgarien wird ein zweimonatiger Ausnahmezustand von heute ab durch eine „epidemische Ausnahmesituation“ ersetzt. Sie gilt bis 14. Juni. „Der Ausnahmezustand wird aufgehoben, alle (Schutz)maßnahmen gelten aber weiter“ erläuterte Gesundheitsminister Kiril Ananiew. Die Freude dürfte riesengroß sein. Ähnlich wie in Nikaragua, wo mehr als 2.800 Häftlinge in den Hausarrest entlassen worden sind. Diese Maßnahme erfolgte, nach dem Tod eines Gefangenen, der an Atemproblemen gelitten haben soll. Wie die Regierung betont, gebe es keine lokale Ausbreitung des Coronavirus im Land. Die Entlassung sei lediglich als Geste zum Muttertag zu verstehen, welcher in Nikaragua Ende Mai begangen wird. Unerwähnt ließ die Regierung allerdings nicht, dass unter den Entlassenen sich Ältere sowie Häftlinge mit chronischen Krankheiten befänden. Bei mir gibt es bisher keinerlei Anzeichen, die darauf hindeuten, dass meine sommerliche Allergie, welche bei kühlem, feuchterem Wetter auftritt und mit asthmatischem Husten verbunden ist, losgeht. Könnte dieses Jahr gut und gerne auf sie verzichten. Ach was, ich wäre nicht traurig, verließe sie mich für immer. Apropos traurig, hätte gestern fast geweint, als ich im Anschluss an das Saufgelage mir einen strunzdummen Krimi in der ARD reinzog, in welchem zum Schluss jedoch etwas Rührendes passiert sein muss. Nur was? Schließen möchte ich mit einer Aussage von Lars Windhorst, seines Zeichens Investor bei Hertha BSC, der sich gegen eine Begrenzung der Gehälter beim Profi-Fußball aussprach: „Je weniger Regulierung, desto besser“ denn „Die Naturgesetze der Wirtschaft werden auch jetzt automatisch greifen.“ Naturgesetze der Wirtschaft? So viel kann man doch gar nicht saufen.

Tipp für heute: Diesen Zwillingsflaschenöffner.., man muss es einfach immer weiter probieren.

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4 Kommentare zu “Corona-Tagebuch 62”

  1. 01

    Der Text erinnert mich an einen Nachmittag/Abend in den ´80ern in Karow. Zwei Kumpels hatten einen Kasten Bier und keinen Öffner. Das war die Herausforderung. Die Flaschen mit verschiedenen Dingen aufkriegen und trinken. Hat geklappt, hab aber vieles vergessen. Is och ne jute Rahmenhandlung fürn Roman. Social Beat Revival …

    Andreas Gläser am 14. Mai 2020 um 17:40
  2. 02

    Na los! Also mit dem Romanschreiben.

    Ahne am 15. Mai 2020 um 09:49
  3. 03

    Vielleicht über die Heilige Corona zu Ehren ihres Namenstages?

    xxx am 16. Mai 2020 um 00:51
  4. 04

    @ xxx: Stimmt, den hab ich ganz vergessen, den Namenstag der Heiligen Corona. Schande!

    Ahne am 16. Mai 2020 um 19:03

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