Corona-Tagebuch 97

18. Juni 2020

Der Benzinpreis ist wieder so teuer, wie er Mitte März einmal war. Alles normalisiert sich. Man wird auch wieder geweckt, durch infernalischen Lärm, weil bedauernswerte Stadtsklaven in orangener Arbeitsbekleidung mit dieselbetriebenen Höllenmaschinen auf Bürgersteigen Grashalme absensen müssen. Mehrere Stunden lang sind sie zu vernehmen, verpesten die Gegend mit Lärm und Gestank. Hinterher ist ein Unterschied kaum zu erkennen, jedenfalls auf dem Bürgersteig, im Hinblick auf die Vegetation. Ein paar Scherben dürften hinzu gekommen sein, durch Flaschen, die genervte Anwohner aus ihren Wohnungen auf die Ruhestörer warfen. Bringt nichts. Man müsste die Verantwortlichen treffen. Die Berliner Polizei hat vom 14.03. bis 11.06. 4.813 Vergehen gegen die Corona-Maßnahmen aufgedeckt. Es kam zu 1.690 Strafanzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz, plus 3.123 Ordnungswidrigkeiten, etwa wegen Nichteinhaltung des Mindestabstandes zu anderen Menschen. 925 Geschäfte mussten geschlossen werden. In Amsterdam ist der Konsum illegaler Drogen, so teilte es das Institut zur Untersuchung der Wasserqualität (KWR) mit, stark zurück gegangen. Im März wäre gut ein Viertel weniger Kokain und die Hälfte weniger Ecstasy eingenommen worden als im Jahr zuvor, was mit dem Ausbleiben der Touristen zu tun haben dürfte. In unbedeutenderen niederländischen Städten sei ein solcher Rückgang nämlich nicht festzustellen. Das Institut misst Spuren von Drogen in Abwässern. Nach dem Corona-Ausbruch in einem nordrhein/westfälischen Fleischbetrieb will der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) einen Shutdown des öffentlichen Lebens vermeiden. Dieser wäre für den gesamten Kreis Gütersloh „unerträglich“. „Wir wissen genau, wo das Virus sich aufhält“, fügte er im ZDF-Morgenmagazin hinzu. Prima! Schnell eine Mauer drum bauen und eine Atombombe drauf werfen. Irans Gesundheitsministerin Sima Lari warnt hingegen angesichts steigender Infektionszahlen: „Das Virus ist unvorhersehbar, jeden Moment kann es uns überraschen und in der 90. Minute noch ein Tor schießen.“ Trotz steigender Infektionszahlen lockert Israel weiter. Der Zugverkehr soll in der kommenden Woche wieder rollen. „Wenn die Züge nicht fahren, sehen wir überfüllte Busse“, so Transportministerin Miri Regev. Nach Angaben der norwegischen Regierung sei Lachs aus dem skandinavischen Land nicht für den erneuten Corona-Ausbruch in Peking verantwortlich. Es wäre höchst unwahrscheinlich, dass sich das Virus über Lebensmittel oder Wasser übertrage, erklärte Fischereiminister Odd Emil Ingebrigtsen. Er hoffe, dass der Export von norwegischem Lachs nach China sich nun wieder normalisiere. Nach so einem Machtwort? Kann ich mir nicht anders vorstellen. Über 3.000 Covid-19-Tote in Pakistan, über 4.000 in Ekuador, über 5.000 in Schweden. Der Präsident von Honduras Juan Orlando Hernandez ist nach einer Infektion mit dem Virus ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es gehe ihm gut, den Umständen entsprechend. Für den Sommer mahnt das Deutsche Rote Kreuz zu Vorsicht beim Baden. Andreas Paatz, Bundesleiter der DRK-Wasserwacht, gegenüber der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung‘: „Nichtschwimmer sollten an Land bleiben und Schwimmer nur ins Wasser gehen, wenn sie sich gesund und fit fühlen.“ Warum? Wegen Corona, denn: „Retterinnen und Retter sind (…) einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, vor allem bei der Wiederbelebung.“ Gibt es eigentlich noch jemand, der abends auf den Balkonen steht und klatscht, für diejenigen, welche in systemrelevanten Berufen arbeiten?

Tipp für heute: Der Kassiererin ein Bonbon zustecken. Ein desinfiziertes, selbstverständlich.

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