Corona-Tagebuch 177

15. September 2020

Heute endet der Anspruch auf Corona-Gratistests für deutsche Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten. Wer sich künftig umsonst testen lassen will, muss wohl oder übel in ein Risikogebiet reisen, oder sich vernünftige Symptome zulegen, es sei denn man kommt aus Bayern, da wird weiter auf Teufel komm raus getestet. Die Berliner Wirtschaftsverwaltung stellte gestern eine gemeinsam mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband entwickelte Kampagne vor, die zum Einhalten der Corona-Bestimmungen in gastronomischen Einrichtungen ermuntern soll. „Eingängige Sprüche“, von denen mir etliche ein wenig umständlich erscheinen, zum Beispiel: „Liberte, Egalite, Charite? Lieber Abstand halten.“ Das „Lieber Abstand halten“ macht den Spruch nicht nur zu lang und verwässert die Botschaft, sondern klingt extrem dröge. Den Spruch „Auch nach 5 Bier leicht zu merken: Abstand waschen, Hände tragen, Maske halten“ fand ich zwar zu lang, eigentlich aber ganz witzig, obwohl Kneipengänger monieren werden, dass jemand der nach 5 Bier solche Sprachstörungen entwickelt, sowieso in keine Kneipe gehöre. Eine Million Euro kostet die Kampagne. Die Sprüche sollen auf Bierdeckeln, digitalen Werbetafeln und Masken zu lesen sein. Wobei ich niemandem raten würde mit einer „Maske auf. Sonst Lokal zu.“-Maske Selbiges zu betreten, macht man sich eher nicht so beliebt und aus eigenen praktischen Erfahrungen im gastronomischen Bereich weiß ich, es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich an unangenehmen Gästen zu rächen. Die Behörden der südfranzösischen Stadt Bordeaux haben wegen gestiegener Infektionszahlen Tanzpartys, Flohmärkte und Nachbarschaftsfeste verboten, Schulausflüge werden abgesagt, der Konsum von Alkohol auf öffentlichen Plätzen ist nicht mehr erlaubt. Die Slowakei erklärt ihr Schwesterland Tschechien zum Risikogebiet. Nach drei bestätigten Neuinfektionen haben die Behörden der chinesischen Grenzstadt zu Myanmar Ruili, einen Lockdown verhängt. Jordanien schließt für zwei Wochen Restaurants, Moscheen, Straßenmärkte und die meisten Schulen. Die Vereinigten Arabischen Emirate geben einen Impfstoff des chinesischen Pharma-Konzerns Sinopharm zur eingeschränkten Notfallverwendung, für diejenigen, die „am meisten mit Covid-19-Patienten zu tun haben“, wie Gesundheitsminister Abdul Rahman Mohammed Al-Owais mitteilte, frei. Über 100 Covid-19-Tote meldet Swasiland, über 400 Usbekistan, über 700 Bosnien/Herzegowina, über 80.000 Indien. Heyo Kroemer, Vorstandschef der Berliner Charite, zur Situation: „Wir haben aktuell 10 Patienten in unseren Intensivstationen. Diese 10 Patienten sind aber alle schon seit der ersten Infektionswelle bei uns. Wir sehen bisher keine neuen Intensivfälle.“ Und zur Frage, warum es trotz steigender Fallzahlen kaum schwere Krankheitsverläufe in Deutschland gibt: „Die älteren Menschen sind offenbar durch konsequentes Maskentragen und Kontaktvermeidung besser geschützt als im Frühjahr. Aber voll inhaltlich verstanden ist das nicht.“

Tipp für heute: Im Weißen See baden.

Allgemein | Kommentare

Kommentar schreiben

  •  
  •  
  •  

Verfolge neue Kommentare zu diesem Beitrag mit diesem Kommentar-Feed.

Kategorien