Corona-Tagebuch 182

20. September 2020

Welch schlimme Folgeschäden die Corona-Pandemie verursacht, konnte man gestern wieder beobachten. ’20 Jahre Kantinenlesen‘ wurde gefeiert und der Re-Start dieses normalerweise wöchentlich stattfindenden Gipfeltreffens der Berliner Lesebühnen, in der Alten Kantine, in der Kulturbrauerei. Auf der Bühne alles prima, Publikum wirkte auch zufrieden, am Tresen aber gab es plötzlich nur noch Berliner Pilsner, in kleinen, grünen Flaschen. Kein Fassbier mehr, kein Radeberger (obwohl das auch nur noch Drecksplörre ist). Man verkaufe lediglich die Reste, wurde mir gesagt. Es könnten ja ansonsten keine Veranstaltungen mehr stattfinden und man rechne auch nicht damit, dass sich dies in näherer Zukunft ändere. Komisch. Mein Optimismus scheint nicht ansteckend zu sein. Es scheint auch kaum jemand, bis auf Markus Söder, zu bemerken, dass die Weihnachtszeit angebrochen ist. Gibt wieder Spekulatius in der Kaufhalle, hurra! Die erste Packung vertilgte ich letzte Nacht. „Hat Markus Söder etwa auch eine Packung Spekulatius verdrückt?“ werden sich jetzt viele sicher fragen. Entzieht sich meiner Kenntnis. Auf tagesschau.de allerdings las ich heute die Schlagzeile: „Söder für Öffnung der Weihnachtsmärkte“. Der Typ will Tatsache Kanzler werden. Ich hab vor Jahren ja bereits populistisch vorgeschlagen, Weihnachtsmärkte sollten das ganze Jahr über öffnen und Adventskalender mit 365 Türchen ausgestattet sein. Jeder Tag müsste Weihnachten sein und die Waffen in dieser Zeit schweigen. Hallelujah! Russland erlaubt die ambulante Behandlung mit dem Antivirus-Medikament Coronavir auf Rezept. Es ist für Patienten mit leichten bis moderat verlaufenden Infektionen vorgesehen und könnte nächste Woche in die Apotheken ausgeliefert werden. Nach Angaben der Kommunalbehörde der mexikanischen Hauptstadt, seien in der Zeit zwischen April und September allein in Mexiko-Stadt über 20.000 Menschen mehr am Coronavirus gestorben als bisher bekannt. Rekorde an Neuinfektionen melden die Slowakei, 290 Fälle am Tag, Dänemark, 589 Fälle am Tag und Frankreich, 13.498 Fälle am Tag. Über 400 Covid-19-Tote in Nepal, über 700 in Costa Rica. Schnell loswerden möchte ich noch einen kleinen Weckruf. Hallo Statistikfreaks bei der Johns-Hopkins-Universität! Der für die Covid-19-Opferzahlen des Kosovos zuständige Kollege (die Kollegin?) scheint eingenickt zu sein, seit mindestens zwei Wochen friedlich zu schlafen, Schlimmeres will ich lieber nicht hoffen. Hatte mich anfangs ja gefreut, dass in der winzigen Balkan-Republik niemand mehr an Corona zu sterben scheint. Nach über 14 Tagen allerdings, in denen bei euch auf der Seite für den Kosovo unverändert 488 Covid-19-Tote steht, wurde ich skeptisch und schaute mal bei der Wikipedia-Konkurrenz vorbei. Die zählen mittlerweile 611 Covid-19-Tote für das Land. Mal ganz sanft an den Schultern rütteln, vielleicht?

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Susanne Riedel, Spider, Heiko Werning, Falko Hennig, Jürgen Witte (zugeschaltet aus Steglitz mit seiner legendären Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne), Gott und mich, sowie den extrem wachen Superstargästen Mandana (die heute übrigens Geburtstag hat!) und Jana Berwig & Masataka Koduka (Japanisch-Oberlausitzer-Hit-Ensemble) Anmeldung: reservierung-reformbuehne@web.de

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