Corona-Tagebuch 190

28. September 2020

Gestern die Reformbühne geschwänzt. Nicht wegen Corona, ich war bei so was Ähnlichem wie einer Jugendweihe. Bin gar nicht selber geweiht worden, obwohl es nach Aussage einiger Menschen langsam mal an der Zeit wäre, die Reihen der Erwachsenen zu verstärken, nein, es handelte sich um eine andere Person, die dort im Fläming Abschied von ihrer Kindheit nahm. Dauerregen war angesagt worden und dann schien doch die Sonne. Ein Wunder! Heute habe ich Muskelkater. Ein Wunder! Oder lag es daran, dass ich zu viele Tische schleppte, mit meinen zarten Schriftstellerärmchen? Ab heute gilt in den Niederlanden eine Sperrstunde für die Gastronomie. 1 Uhr müssen alle Kneipen dicht sein. In Melbourne ist nach fast zwei Monaten die Corona-Ausgangssperre aufgehoben worden. Viele Einschränkungen gelten allerdings weiterhin. Man darf sich höchstens 5 km von zuhause entfernen, lediglich „relevante“ Geschäfte öffnen. Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit gestern im Kriegszustand, Grund ist mal wieder die Region Berg-Karabach, die fast ausschließlich von Armeniern bewohnt wird, völkerrechtlich aber zu Aserbaidschan gehört. Nun wird dort also erneut gekämpft, obwohl doch die UNO wegen der Corona-Pandemie zur Einstellung sämtlicher bewaffneten Konflikte aufgerufen hatte. Schon pervers irgendwie, nicht die Forderung nach Einstellung der Kämpfe, nur der Grund. Fordert die UNO nach Ende der Pandemie etwa die Wiederaufnahme der Waffengewalt? In Deutschland beantragt die AfD die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses, der die Maßnahmen der Bundesregierung überprüfen soll. Es müsste allerdings eine zweite Fraktion diesen Antrag unterstützen, womit nicht gerechnet wird. Einen Rekord an Neuinfektionen melden die Niederlande, 2.995 Fälle am Tag. Über 200 Covid-19-Tote in Myanmar und in Tunesien, über 500 in Libyen, über 600 in Kuweit und in Tschechien, über 800 in Paraguay, über 900 im Oman, über 95.000 in Indien. In Weißrussland gehen fast jeden Tag die Menschen weiter gegen den letzten europäischen Diktator Lukaschenko auf die Straße, für eine Demokratisierung. In unseren Medien wird das Land ja mittlerweile Belarus genannt. Dies wurde im Fernsehen damit erklärt, man wolle so den Unterschied zu Russland deutlicher betonen. Weißrussland klinge nämlich, als würde es zu Russland gehören. Dass Bela allerdings weiß und rus Russland heißt, wurde nicht dazu gesagt. Lustiges Kauderwelsch entsteht nun, wenn sie vom belarusischen Präsidenten sprechen statt vom belarussischen oder eben weißrussischen. Da wäre es weitaus sinnvoller gewesen Finnland Suomi, Griechenland Hellas oder Kroatien Hrvatska zu nennen, das macht dann nämlich wirklich einen Unterschied. Ach ja.

Tipp für heute: Ist doch egal.

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