Corona-Tagebuch 202

11. Oktober 2020

Noch mehr als die neue Sperrstunde macht mir mein aktueller Klapprechner Sorgen. Habe ihn bereits gewischt und gestaubsaugt, gestreichelt und besprochen, manchmal, so wie jetzt gerade, geht es dann, gestern aber wollte er gar nicht. Werde ihn wohl morgen mal in die Poliklinik bringen müssen. Ob ich hier dann weiter schreiben kann? Draußen fährt nachts viel Polizei herum. Kneipen und Restaurants werden kontrolliert, Gruppen von Jugendlichen ebenso. Die Liebigstraße 34 ist geräumt worden, sicher äußerst wichtig in der aktuellen Situation, Immobilienspekulanten zu ihrem „Recht“ zu verhelfen. Als ich gestern Nacht aus Angermünde, wunderbarer Auftritt übrigens, schöner Klub, tolles Publikum, will ich wieder hin, zurück kam und wegen Streik, BVG-Arbeiterinnen und -Arbeiter wollen mehr Geld, richtig so, ihr habt meine Solidarität, aus der S-Bahn am Hackeschen Markt (Marx-Engels-Platz) ausstieg, erwarteten mich circa 20 Polizisten in Kampfmontur. Hab erst gedacht, oh nein, die Corona-Diktatur, jetzt ist sie da. Handelte sich aber wohl um Sympathisanten der Hausbesetzerinnen, weswegen ihr Einsatz stattfand. Mein Weg Richtung Bettchen führte mich an zahlreichen demolierten Autos vorbei. Gestern sind mehrere Tausend Menschen wider die Corona-Maßnahmen bei einem „Schweigemarsch gegen Rassismus und für Menschenrechte“ den Kurfürstendamm hinunter gezogen. Laut Polizei hielten sie die Abstände ein, die meisten trugen Mundschutz. In Rom protestierten etwa 3.000 Menschen bei einem „Marsch der Befreiung“ gegen die dortigen Maßnahmen. Es kam zu Rangeleien mit der Polizei. Hamburg verschärft die Maskenpflicht, sie gilt jetzt in allen öffentlichen Gebäuden und im Freien auf Straßen und Plätzen mit „großem Andrang“. Rekorde an Neuinfektionen melden Litauen, 205 Fälle am Tag, Österreich, 1.235 Fälle am Tag, Portugal, 1.646 Fälle am Tag, Polen, 5.300 Fälle am Tag, die Niederlande, 6.500 Fälle am Tag, Tschechien, 8.618 Fälle am Tag, Russland, 13.634 Fälle am Tag, Großbritannien, 15.166 Fälle am Tag und Frankreich, 26.896 Fälle am Tag. Die Anzahl der schweren Fälle ist allerdings fast überall nach wie vor relativ niedrig, die Todesrate liegt meist zwischen 0,1 und 0,3%. Über 100 Covid-19-Tote in Guyana, über 500 in Usbekistan, über 600 in Nepal, über 900 in Tschechien und in Bosnien/Herzegowina, über 3.000 in Polen, über 5.000 in Saudi-Arabien und in der Ukraine, über 150.000 in Brasilien. Der Oberste Führer der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik Kim Jong Un ist dankbar, dass sich in seinem Land bisher keine Menschen mit Corona infiziert hätten, dies sagte er jedenfalls in einer Rede zum 75. Geburtstag der Partei der Arbeit Koreas. Ich habe ihm keine Glückwunschkarte geschrieben.

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Susanne Riedel, Falko Hennig, Gott und mich, sowie den phantastischen Superstargästen Robert Rescue (Wirbelwind aus dem Wedding) und Marco Tschirpke (ungekrönter König des Kurz-Chansons) Anmeldung unter: reservierung-reformbuehne@web.de

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