Corona-Tagebuch 131

30. Oktober 2020

Heute geht es nach Dessau. Mein letzter Solo-Termin vor dem erneuten (Kultur-) Lockdown. Ich weiß immer noch nicht, ob ich zweimal hintereinander ein etwas kürzeres Programm machen soll oder nur einmal lese und singe, dafür länger. Hab das so auch noch nicht erlebt, sehr spontan, die Dessauer. Na, hoffentlich wird mir eine Entscheidung mitgeteilt bevor ich im Zug sitze. Das Oberverwaltungsgericht von Niedersachsen hat die Sperrstunde und das Alkoholverkaufsverbot für das Bundesland gekippt. Die Ausgestaltung der Regelungen zur Sperrstunde stellten „keine notwendigen infektionsrechtlichen Schutzmaßnahmen“ dar. Dieser Beschluss ist nicht mehr anfechtbar und kommt natürlich gerade recht, drei Tage vor der Schließung sämtlicher Kneipen. Bayern wird ab 2.11. Veranstaltungen aller Art untersagen, ausdrücklich auch in Privaträumen. Bei der Kontrolle setzt die Landesregierung auf Hinweise und Anzeigen von Nachbarn. „Das größte Schwein im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Gilt jetzt nicht mehr, hat nur früher mal gegolten. Ach, ausgenommen vom Verbot der Veranstaltungen aller Art sind natürlich Gottesdienste, klar. Bei denen, dies hat die Vergangenheit zur Genüge bewiesen, kann man sich nicht anstecken, da hält der Herr die Hand drüber. Nach einer Forsa-Umfrage finden noch 50% der Befragten in Deutschland die jüngst beschlossenen Maßnahmen angemessen, 16% gehen sie nicht weit genug, 33% zu weit. Museen müssen nun auch schließen. Einige Bundesländer wagen allerdings Alleingänge. Berlin will Kindern das Trainieren von Mannschaftssportarten im Freien weiter erlauben. Vernünftig, wie ich finde. Sachsen/Anhalt möchte Bibliotheken, Zoos und Kosmetikstudios geöffnet lassen. Das Bus- und Bahnunternehmen Flixbus/Flixtrain stellt im November seinen Betrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz vollständig und vorübergehend ein. Ein Lockdown-Light nach deutschem Vorbild wird über die nordgriechischen Städte Saloniki, Serres und Rodopi verhängt. Frankreich schließt Bars und „nicht unentbehrliche Geschäfte“, Homeoffice ist Pflicht (außer es geht nicht), Sport darf nur noch eine Stunde am Tag im Umkreis von einem Kilometer vom Wohnort getrieben werden. Tunesien erlässt eine Ausgangssperre von 20 bis 5 Uhr, die am Wochenende bereits 19 Uhr beginnt. Katalonien verhängt ein Verbot, die eigene Stadt oder Gemeinde zu verlassen. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die Frauenbewegung dazu aufgerufen, ihre für heute geplanten Proteste gegen das verschärfte Abtreibungsverbot zu unterlassen: „Ich bitte sie ganz inständig darum, mit Blick auf die Epidemie und Covid-19.“ Durchgeprügelt aber musste das frauenfeindliche Gesetz natürlich trotzdem werden, Covid hin, Covid her. Rekorde bei Neuinfektionen melden Schweden, 3.254, Österreich, 4.453, die Schweiz, 9.386, Deutschland, 18.681, Polen, 20.156, Spanien, 23.580, Italien, 26.831 und die USA, 91.295. Über 200 Covid-19-Tote verzeichnen Jamaika und die Slowakei, über 500 Kroatien, über 700 Aserbaidschan, über 900 Nepal, über 5.000 Polen. Die Ordnungshüter von Hagen/NRW appellieren zu Helloween: „Da sich durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr einiges in Bezug auf das Verhalten in der Öffentlichkeit verändert hat, bittet die Polizei darum, dass verschlossene Türen auch ohne Streich akzeptiert werden.“ Könnte man nicht ein Verbot von Streichen aussprechen?

Heute: Dessau, Schwabehaus, 18:30 und 20:30 Uhr (oder nur 18:30, oder nur 20 Uhr): ’52 Jahre Apfelsinenkisten‘ (Ahne liest, singt und trinkt) neue Texte, alte Schlager, Bier

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