Corona-Tagebuch 145

13. November 2020

Auch wenn es nach einer Durchimpfung der Bevölkerung zu einem Ende der Corona-Pandemie gekommen sein sollte, frage ich mich, wie lange es wohl dauert, bis sich unser Verhalten der vorherigen Normalität angepasst haben wird, ob dies überhaupt passiert. Bleibt etwas von dem Misstrauen? Ist dieses Misstrauen gesund? Wird man in Zukunft viel eher davon ausgehen, es könne eine Pandemie drohen und Vorsichtsmaßnahmen ergreifen? Kann es sein, dass man dann in einer ständigen Alarmstimmung verharrt? Sind womöglich nur Momentaufnahmen meiner mentalen Verfassung, garantiert sehe ich morgen die Sache schon wesentlich entspannter. Oder übermorgen. Der Bayrische Verwaltungsgerichtshof hat die vollständige Schließung von Fitnessstudios gekippt. Sie verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Daraufhin verbot Bayern sämtlichen Sportbetrieb in geschlossenen Räumlichkeiten. Sämtlichen? Nein. Bis auf Schulsport und bis auf Profisport. Profisport? Gleichbehandlungsgrundsatz? Sehe da nur ich einen Widerspruch? Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hat die Schließung von Tattoo- und Piercingstudios in Sachsen dagegen bestätigt. Eine Ausnahme für Frisöre sei gerechtfertigt, so das Gericht, da deren Tätigkeit zur Grundversorgung im Bereich Körperhygiene gehöre. Muss mal überlegen. Das letzte Mal beim Frisör war ich 1987. Bin eben ein richtiges Dreckschwein. Passend dazu, Jens Spahn, Gesundheitsminister, gestern: „Das Virus hat eine lange Bremsspur“. Denke da nur ich an weiße Feinripp-Schlüpfer? Katalonien verlängert seine Corona-Beschränkungen bis zum 16. November. Sachsen begrenzt die Teilnehmerzahl bei Demonstrationen künftig auf 1.000. Mehrere Hundert Menschen „spazierten“ gestern in Wittenberge gegen die Corona-Maßnahmen. Für morgen wurde eine Querdenker-Demo in Frankfurt/Main unter dem Motto „Kein Lockdown in Bembeltown“ angemeldet. Ersatzkarneval? Die Weltcups der Nordischen Kombinierer, Skilangläufer und Skispringerinnen, die Anfang Dezember im norwegischen Lillehammer stattfinden sollten, wurden abgesagt. Rekorde an Neuinfektionen melden Griechenland, 3.316, Österreich, 9.262, Deutschland, 23.542, Großbritannien, 33.470 und die USA, 153.436. Die USA gaben zwar vorgestern einen Rekord über 200.000 bekannt, dieser jedoch resultierte aus einem Stau vergangener Tage. Über 100 Covid-19-Tote verzeichnet der Tschad, über 200 Luxemburg, über 600 Georgien, über 900 Kroatien und Aserbaidschan, über 9.000 Polen, über 15.000 Indonesien, über 35.000 Peru, über 40.000 der Iran. „Wir fühlen uns schlecht, sehr schlecht.“, so der Leiter des Valduce-Krankenhauses im italienischen Como/Lombardei, Claudio Zanon, „Anders als während der ersten Welle ist das Gesundheitspersonal frustriert, demotiviert, gestresst und leidet unter Burnout.“ Sein Haus habe keine freien Betten mehr, auch nicht auf der Intensivstation, er müsse auf 70 der rund 600 Ärztinnen, Ärzte und Krankenschwestern verzichten, weil sie infiziert seien. „Es gibt eine breite Niedergeschlagenheit, die im Kampf gegen die Epidemie nicht hilft.“ Am Mittwoch ordnete Claudio Zanon die Schließung der Notaufnahme an. Ähnliches wird auch aus anderen Regionen Italiens berichtet.

Tipp für heute: Klatschen? Auf dem Balkon?

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