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Worte sind Waffen

15. November 2017

Das Militär hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Staat in Simbabwe übernommen. Es handle sich jedoch nicht um einen Militärputsch, betonte laut tagesschau.de Generalmajor Sibusiso Moyo. Ah ja!

Heute: Finsterwalde/Niederlausitz, Gemeindehaus Arche, 19 Uhr: ‚Schockstarre Zukunft‘ (Ahne liest, singt und trinkt)

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Rheinsberger Tagebuch (19)

14. November 2017

Es hat zum ersten Mal gefroren, draußen. Jedenfalls habe ich es zum ersten Mal wahrgenommen. Die Pfützen auf dem Hofe des Marstall-Geländes sind mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Ich freue mich darüber, wie ein Kind. Meine Arme verkrampfen und ich zittere am ganzen Körper, eine spastische Behinderung (wie ich sie nenne) mit der ich aber mittlerweile gut leben kann. Wir wollten ja eigentlich mal eine Anthologie herausgeben, mit unseren leichten bis mittleren Behinderungen. Fast jeder an den Berliner Lesebühnen hätte einen Beitrag dazu abliefern können. Von Schwerhörigkeit, über die Folgen einer Kinderlähmung, leichtere Formen von Autismus, Depressionen, Blindheit, Schuppenflechte, Alkoholismus, Hepatitis C, antisozialem Verhalten, ja, sogar Legasthenie, es war fast alles vertreten, was man sich überhaupt vorstellen kann. Ein Zukunftsprojekt? Möchte mich nicht erneut jemand als Stadtschreiber einstellen, damit ich an die Realisierung dieses Projektes mich heranwagen kann? Eisenhüttenstadt? Leverkusen? New York? Letzte Woche hatte ich eine Lesung in der von Rheinsberg nicht weit entfernten Kreisstadt Neuruppin. In der Fontane-Buchhandlung. Da war ich überrascht, positiv überrascht, von den vielen Leuten, die eine sehr gute Stimmung verbreiteten. Und das, obwohl zeitgleich der Martini-Markt stattfand, eine Art Oktoberfest im November, mit viel Glitzer und halsbrecherischen Fahrgeschäften, nicht zu vergessen Freund Alkohol. Danke, Neuruppin! Ich komme gerne wieder. In Rheinsberg haben die Kraniche das Zepter übernommen, zumindest in der Luft. Sie verbreiten einen ungeheuren Lärm. Normalerweise müssten sie um diese Zeit ja bereits in den Süden geflogen sein, Spaniens Eichenwälder leerknabbern, aber dank des nicht stattfindenden Klimawandels bleiben viele jetzt auch über den Winter. Am 18.11. findet die Kneipenmeile in Rheinsberg statt. Leider muss ich dann in Dessau weilen. Was heißt leider? Ich darf im Schwabehaus auftreten und im Bauhaus schlafen. Huch, jetzt verkrampfen sich meine Arme schon wieder.

Tipp für heute: Ruhig ein wenig mit der eigenen Behinderung prahlen.

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Weckruf

12. November 2017

Die so genannten „Wirtschaftsweisen“ fordern eine Änderung der Arbeitszeitgesetze, unter anderem die Abschaffung des 8-Stunden-Tages. Prima, dachte ich mir, 8 Stunden Arbeit am Tag sind ja auch wirklich viel zu viel. Das ist doch überhaupt nicht mehr angepasst an unsere moderne Welt, mit ihren vielen Möglichkeiten, den Maschinen, Robotern, der ganzen Automatisierung, pipapo. Flexibel müsste es zugehen. Sagen wir, Menschen, die 6 Stunden am Tag arbeiten möchten, denen sollte das ermöglicht werden, aber auch drei oder null Stunden sind doch längst keine Utopie mehr, heutzutage. Für wen, wenn nicht für den Menschen soll die Technik denn arbeiten? Doch denkste! Das sehen diese „Wirtschaftsweisen“ ganz anders. Bei ihnen arbeitet die Technik nämlich nicht für den Menschen, sondern Mensch und Technik gemeinsam für die Gewinnmaximierung und der Gewinn, oder anders ausgedrückt der Profit, ist eben jene Heilige Kuh, der sich alles andere unterzuordnen hat. Tschuldigung, liebe Kühe, ihr könnt nichts dafür. Die „Wirtschaftsweisen“ fordern, man müsse auch länger am Tag arbeiten können, eben auch nach Feierabend und vor dem Aufstehen, beim Kacken und während man stirbt. Also, das haben sie nicht wortwörtlich so gesagt, aber gemeint. Und wie ich unseren momentanen rückwärtsgewandten Zeitgeist so einschätze, wird es sicher auch so kommen. Hallo! Menschheit! Du könntest langsam mal wieder aufwachen!

Heute: Berlin, Jägerklause, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Jakob Hein, Heiko Werning, Jürgen Witte, Falko Hennig und mich, sowie den aufgewecktesten Superstargästen dieser Galaxie Masha Potempa (intelligente Pop-Songs) und Gregor Mothes (TITANIC)

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Sinnsprüche aus dem Freudenhaus

11. November 2017

Ein Moment ist die Zeit zwischen Leben und Sterben.

Heute: Berlin, Alte Kantine, 20 Uhr: Kantinenlesen mit Clint Lukas, Manfrad Maurenbrecher, Andreas Scheffler, Jakob Hein und mich

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Neues aus dem Prenzlauer Berg

9. November 2017

Heute, gesehen auf einem Schild in der Fehrbelliner Straße: „Foccacheria bitte Eingang benutzen“. Gut, wenn man mal drauf hingewiesen wird.

Heute: Berlin-Tempelhof, UFA-Fabrik (Variete-Salon), 20 Uhr: ‚Schockstarre Zukunft‘ (Ahne liest, singt und trinkt) im Rahmen der Kabarettwoche ‚Ausgeschlafen‘

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Andern auf die Sprünge helfen

8. November 2017

Schön, wenn man früh aufwacht, den Computer anmacht und erfährt, dass man mittlerweile einen neuen Job hat, von dem man bisher gar nichts wusste, nicht einmal, dass man sich überhaupt für diesen Job beworben hatte. Danke, kulturblogberlin.de. Ich bin scheinbar jetzt Moderator bei Radio Eins. Somit gehören meine Geldsorgen wohl der Vergangenheit an. Aber was heißt schon Geldsorgen, hey, so ist das nun einmal, wenn man sich andauernd viel zu teure Sachen kauft. Der Goldbrokatimantel mit Digitalanzeige hätte ja nun wirklich auch nicht sein müssen, oder? Obwohl, macht schon was her, irgendwie.

Heute: Neuruppin, Fontane-Buchhandlung, 19 Uhr: ‚Schockstarre Zukunft‘ (Ahne liest, singt und trinkt) neue Texte, alte Schlager, Bier

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Splitter von unterwegs

5. November 2017

Auf der Bahnreise Richtung Leipzig, in Wittenberg, welches den Zusatznamen Lutherstadt, nach dem Frauen-, Juden- und Arme-Leute-Hasser Martin Luther verpasst bekam. Ein Kind zeigt auf einen Schienenbus und sagt: „Mami, da ist ein Orient-Express.“ Fand ich lustig.

In Chemnitz, ein für mich unverständlicher Werbespruch an einer Apothekenfiliale namens ‚Easy‘. „Advent, Advent, zu Easy rennt“. Warum? Weil man die Adventszeit ohne Schmerzmittel nicht ertragen kann? Interessiert mich dann aber auch nicht so sehr, dass ich nachfrage.

Gut dagegen, wie ein engagierter Bürger, oder eine Bürgerin, per handbeschriebenem Zettel auf ein wichtiges Problem hinweist: „Achtung! Kreiswehramt Leipzig-Nord. Lebensgefahr!“ Nicht nur in Leipzig-Nord, möchte man hinzufügen.

Überlege, ob ich eine neue Reihe beginne. Ungewöhnliche Hobbys. Am Leipziger Hauptbahnhof einen älteren Herren dabei beobachtet, wie er mit einer Chirurgenpinzette Kronkorken aus den Zwischenräumen der hölzernen Sitzbänke fischte und in den Papierkorb beförderte. Offensichtlich empfand er dabei größtes Vergnügen. Toll!

Heute: Berlin, Jägerklause, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Jürgen Witte, Jakob Hein, Falko Hennig, Heiko Werning und mich, sowie den äußerst vergnüglichen Superstargästen Robert Rescue (Frohnatur) und Jana Berwig (Die Goldene Stimme der Oberlausitz)

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Poesie zum Träumen (115)

4. November 2017

Da geht noch was

Kopf zermatscht

Augen wie irre

alles schiebt raus

im Fliewatüüt

 

Loch unterm Joch

schneidende Riffe

buckliges Rind

Kotze im Spind

 

Heute: Chemnitz, Arthur e.V., 20 Uhr: ‚Schockstarre Zukunft‘ (Ahne liest, singt und trinkt) neue Texte, alte Schlager, Bier

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Genauso könnte man eigentlich den Härtegrad von Diamanten anpreisen

3. November 2017

Eine neue Schallplatte erblickt heute das Licht dieser Welt. Sie ist eine sehr gute Schallplatte. Ein Hit jagt den nächsten. Und trotzdem strebt sie nicht auseinander, zerfällt in keine Einzelteile. Sie bleibt organisches Ganzes. Wann hat es das schon mal gegeben? Ich kann es euch sagen: Nie! Und ich kann euch noch etwas sagen: Ihr könnt live dabei sein heute, wenn der Künstler dieses unfassbar schöne Kunstwerk auf der Bühne präsentiert. Wo? Wie ist das möglich? Und kann das überhaupt jemand bezahlen? Dazu mehr eine Zeile weiter unten.

Heute: Berlin-Kreuzberg, Cortina Bob, 21 Uhr: Sedlmeir mit ‚Fluchtpunkt Risiko‘ (Plattentaufe) unterstützt von ‚Zwei Damen ohne Namen‘ und im Anschluss Schallplattenalleinunterhalter Ahne

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Verb der Woche

1. November 2017

corealisieren

Heute: Berlin, UFA-Fabrik, 20 Uhr: Ausgeschlafen (Eröffnung der Kabarettwoche) mit Helene Mierscheid, Matthias Ningel, Till Reiners und mich, Moderation: Felix Römer

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