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Corona-Tagebuch 63

15. Mai 2020

Laut einer Untersuchung des Fachblattes ‚Proceedings of the National Acadamy of Sciences of the United States of America‘ (PNAS) können beim Sprechen ausgestoßene Mikrotröpfchen in einem geschlossenen Raum mehr als 10 Minuten lang in der Luft bleiben. Forscher des ‚National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases‘ (NIDDK) ließen für die Studie Testpersonen in einem umschlossenen Raum 25 Sekunden lang laut den Satz „Stay healthy!“ (bleib gesund) wiederholen. Dieselben Forscher hatten bereits im April beobachtet, dass leiseres Sprechen weniger Tröpfchen produziert. Wichtig, für unsere Lesebühne! Man könnte doch zum Beispiel einen Lautstärkemessapparat mit einer Sirene kombinieren, welche losgeht, sollte jemand auf unserer Bühne zu laut werden. Damit müsste sich das Ansteckungsrisiko für eventuelles Publikum reduzieren lassen. Oh, oh, ahne schon, bei wem das Höllengerät am häufigsten losgeht. Laut Google ist die Internet-Suche für „Brille beschlägt beim Masken tragen“ in Deutschland um 1.850% gestiegen. Innerhalb der letzten 7 Tage! Fragt sich natürlich, wie häufig es vorher aufgerufen wurde. Zwei mal? Dann wären es.., ach, mir zu anstrengend. Der Corona-Ausnahmezustand wird in Japan größtenteils aufgehoben, nur in 8 Präfekturen, darunter Tokio, Osaka, Kyoto und Hokkaido bleibt er in Kraft, in Ungarn dürfen Hotels außerhalb der Hauptstadt wieder öffnen, Slowenien erlaubt allen EU-Bürgern, nach zuletzt 35 Neu-Infektionen innerhalb zweier Wochen, die Einreise ohne in Quarantäne zu müssen. Auch Deutschland will dies gestatten und bezieht die Länder des Schengen-Raumes plus Großbritannien ein. Schweden hingegen verlängert sein Einreiseverbot bis 15. Juni. In Rheinland/Pfalz dürfen ab 27. Mai Theater, Bäder, Konzerthäuser und Kleinkunstbühnen wieder eröffnen. Kleinkunstbühnen! Sollten wir da mit den Füßen scharren? Verabscheue ich nicht den Begriff ‚Kleinkunst‘? Warte ich lieber bis die Großkunstbühnen loslegen können? Oder ist diese Einordnung hochnäsig? Mittelkunst? Den Kunstbegriff an sich ablehnen? Ist doch keine Kunst, was wir machen. Kann doch jeder. Angelo Kelly steigt bei der Kelly-Family aus. Hat wohl nichts mit Corona zu tun. Über 300.000 offiziell registrierte Covid-19-Tote weltweit, über 4.000 in der Türkei, über 85.000 in den USA. Dort soll der Parketthandel an der New Yorker Wall Street wieder aufgenommen werden und auch das Ferienresort Mar-a-Lago in Südflorida, wo Donald Trump viel Zeit verbringt, öffnet seine Pforten. Beach-Club-Restaurant, Schwimmbad und Whirlpool sind ab kommender Woche wieder zugänglich. Die Loungesessel stünden allerdings zwei Meter auseinander und Besucher müssen sich ihre eigenen Handtücher mitbringen.

Tipp für heute: Den Lounge-Sessel mit dem Handtuch als besetzt markieren, funktioniert meistens.

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Corona-Tagebuch 62

14. Mai 2020

Gescheitert bin ich damit einen Zwillingsflaschenöffner zu bedienen. Der Chef des Spätkaufs in der Neuköllner Herrfurthstraße musste mir beim Festhalten einer der beiden Flaschen helfen. Danke, aber so lernt man es natürlich nie. Zum Glück haben vor kurzem die Spielplätze wieder aufgemacht. Es gibt nichts Schöneres als unter dem Sternenzelt am Rande eines Buddelkastens auf der Bank zu sitzen und ein Bierchen nach dem anderen in sich hinein zu kippen. Freund Sedlmeir und mir kamen während dessen die allerbesten Ideen. Wie man das Virus besiegt, wie man die Ungerechtigkeiten in der Welt aus der Welt schafft, wie man zufrieden einschläft, wie man zufrieden aufwacht. Leider vergisst man kurz darauf alles, weshalb man sich erneut treffen muss, wieder Bier trinkt und schon darf man sich Alkoholiker nennen. Wien spendet sämtlichen 950.000 Haushalten der österreichischen Hauptstadt einen Corona-Gutschein für Restaurantbesuche über 50 €, um damit die Gastronomie anzukurbeln. Mit diesem dürfen allerdings keine alkoholischen Getränke gekauft werden. Ein Wermutstropfen, wie ich finde, oder kein Wermutstropfen, leider. Der Wintersportort Ischgl in Österreich, bekannt für Wermutstropfen in Hülle und Fülle, meldet keinen aktiven Corona-Fall mehr, dafür hat Lesotho jetzt seinen ersten, als letztes der 54 afrikanischen Länder. Mehr als 1.000 Corona-Tote in Indonesien, mehr als 250.000 Infizierte in Russland. In Bulgarien wird ein zweimonatiger Ausnahmezustand von heute ab durch eine „epidemische Ausnahmesituation“ ersetzt. Sie gilt bis 14. Juni. „Der Ausnahmezustand wird aufgehoben, alle (Schutz)maßnahmen gelten aber weiter“ erläuterte Gesundheitsminister Kiril Ananiew. Die Freude dürfte riesengroß sein. Ähnlich wie in Nikaragua, wo mehr als 2.800 Häftlinge in den Hausarrest entlassen worden sind. Diese Maßnahme erfolgte, nach dem Tod eines Gefangenen, der an Atemproblemen gelitten haben soll. Wie die Regierung betont, gebe es keine lokale Ausbreitung des Coronavirus im Land. Die Entlassung sei lediglich als Geste zum Muttertag zu verstehen, welcher in Nikaragua Ende Mai begangen wird. Unerwähnt ließ die Regierung allerdings nicht, dass unter den Entlassenen sich Ältere sowie Häftlinge mit chronischen Krankheiten befänden. Bei mir gibt es bisher keinerlei Anzeichen, die darauf hindeuten, dass meine sommerliche Allergie, welche bei kühlem, feuchterem Wetter auftritt und mit asthmatischem Husten verbunden ist, losgeht. Könnte dieses Jahr gut und gerne auf sie verzichten. Ach was, ich wäre nicht traurig, verließe sie mich für immer. Apropos traurig, hätte gestern fast geweint, als ich im Anschluss an das Saufgelage mir einen strunzdummen Krimi in der ARD reinzog, in welchem zum Schluss jedoch etwas Rührendes passiert sein muss. Nur was? Schließen möchte ich mit einer Aussage von Lars Windhorst, seines Zeichens Investor bei Hertha BSC, der sich gegen eine Begrenzung der Gehälter beim Profi-Fußball aussprach: „Je weniger Regulierung, desto besser“ denn „Die Naturgesetze der Wirtschaft werden auch jetzt automatisch greifen.“ Naturgesetze der Wirtschaft? So viel kann man doch gar nicht saufen.

Tipp für heute: Diesen Zwillingsflaschenöffner.., man muss es einfach immer weiter probieren.

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Corona-Tagebuch 61

13. Mai 2020

Merke an meiner Händewaschzeit, dass sich auch bei mir eine gewisse Corona-Müdigkeit einzuschleichen beginnt. Zwei mal ‚Happy Birthday‘ singe ich schon lange nicht mehr. Könnte ich auch gar nicht. Hab den Text des Liedes bereits wieder vergessen. Seife nutze ich zwar noch, jedoch lediglich, weil sie so gut riecht. Habe mich gestern getraut einem Köpenicker Klub, welcher einen Livestream-Auftritt vorschlug, zu raten, doch noch etwas zu warten, vielleicht sei es am 6. Juni ja schon wieder möglich vor Publikum aufzutreten. Sachsen will die angekündigten Lockerungen auf übermorgen vorziehen. Dann dürfen nach den Geschäften, Schulen, Kindergärten, Restaurants und Kneipen dort auch Theater, Kinos, Freibäder, Fitness- und Sportstudios, Spielbanken, Wettbüros, Freizeit- und Vergnügungsparks sowie Fahr-, Flug-, Boots- und Tanzschulen wieder öffnen. Gibt es überhaupt noch was, was dann geschlossen bleiben muss? Die Puffs? Oder heißt es Püffe? „Freiheit!“ In Thüringen sind seit heute Demonstrationen ohne Teilnehmerbeschränkung wieder möglich, Restaurants und Kneipen öffnen erst Freitag. Die italienische Region Venetien will ab Montag „alles öffnen, was möglich ist“. Schnürsenkel? Haustüren und Fenster? Gleichzeitig? Okay. Wenn ’s nicht zu doll zieht? Österreich hat die Öffnung seiner Grenze zu Deutschland für den 15. Juni angekündigt. China riegelt dagegen die 4-Millionen-Stadt Jilin im Nordosten des Landes nach genau 21 Neuinfektionen ab. Ausreise ist nur mit negativem Testergebnis noch gestattet, Kinos und Fitnessstudios müssen schließen, Bus- und Bahnverbindungen werden ausgesetzt. Über 1.000 Covid-19-Tote in Rumänien, mehr als 2.000 Neuinfektionen an einem Tag in Pakistan, in Brasilien infizierten sich in den letzten 24 Stunden fast 10.000 Menschen, 881 starben. Zum ersten Mal seit zwei Monaten keine einzige Neuansteckung in Thailand. In Israel hat die Polizei mehr als 300 Ultraorthodoxe festgenommen, die trotz der Ausgehbeschränkungen mit Tanz und Feuerwerk das Fest Ba’omer feiern wollten. Einige von ihnen hätten vor Ort Steine und „andere Gegenstände“ auf Polizeibeamte geschleudert. Wegen ausbleibender Touristen ging im ersten Quartal 2020 auf der Balearen-Insel Mallorca das Müllaufkommen um 39% zurück, die Qualität der Atemluft verbesserte sich um 60%. Drücken wir mal lieber fest die Daumen, dass die Ballermann-Saison bald wieder starten kann. Toi, toi, toi!

Tipp für heute: Zuhause kann man sich auch prima besaufen und in die Ecke pissen.

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Corona-Tagebuch 60

12. Mai 2020

Die Bundesbehörden wissen nicht wohin mit den vor vier Jahren beschlagnahmten 20.000 Koranen, die Salafisten damals verteilen wollten. Sie lagern mittlerweile auf dem Gelände der Bundeswehr und nehmen Platz weg für … Atomraketen? Vernichten geht leider nicht, weil man sonst religiöse Gefühle verletzen würde, wie es heißt. Man überlegt schon, die ersten Seiten raus zu reißen, wo die salafistische „Lies!“-Stiftung samt ihres Organisators Ibrahim Abou-Nagie vermerkt sind und sie danach zu verteilen. Prima Idee, werden sich die Salafisten denken und die nächsten Korane direkt zu den Bundesbehörden schleppen. Brauchen sie sich nicht mehr selbst die Beine in den Bauch zu stehen, auf irgendwelchen hässlichen Marktplätzen der Ungläubigen. Die Russen müssen wieder zur Arbeit gehen. Trotz hoher Ansteckungsrate hat Präsident Putin ein Ende der arbeitsfreien Zeit verkündet. Auch hierzulande macht man sich Sorgen um die Arbeitsmoral. Der Bundesinnungsverband der Gebäudereiniger fordert ein Ende der Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibung. Die dürfe „nicht zum Dauerzustand werden“, so Geschäftsführer Johannes Bungart. Der Krankenstand hätte sich bei Gebäudereinigern auf knapp 12% nahezu verdoppelt. Wie wäre es, sich über die Gründe dafür mal Gedanken zu machen? Tesla-Chef Elon Musk stellt sich notfalls selbst ans Fließband um die Produktion seiner Elektroautofirma in ihrem Hauptwerk in Kalifornien entgegen Anweisungen der Regierung wieder hochzufahren. Ein echter Rebell! Würde ich anstelle der Regierung sofort darauf eingehen, jedoch nur, wenn er wirklich alleine dort arbeitet. Die Zukunft des Kapitalismus? Der Chef macht alles selber? Der Rest bekommt das Grundeinkommen? Dank der Automatisierung? Ich wäre dafür. In Südafrika sind seit Beginn der strengen Ausgangssperre fast 1.000 Schulen Opfer von Vandalismus geworden. Sie wurden verwüstet oder in Brand gesteckt. Über 1.000 Covid-19-Tote in Indonesien, über 80.000 in den USA. Dort muss, nach zwei positiven Tests von Regierungsberatern, nun auch im Weißen Haus Maske getragen werden. Von allen? Nein. Donald Trump braucht nicht, weil er niemandem so nahe komme, „dass dies nötig wäre“. Und sein Vizepräsident Mike Pence will auch keine Maske tragen, weil.., er möchte das einfach nicht! Kann sich übrigens noch jemand daran erinnern, dass man nach jedem Mal Mund-Nasen-Schutz tragen, diesen gründlich bei 60° waschen sollte. Hat das mal jemand gemacht? Wenn ich ehrlich bin.., ach, das sage ich einfach nicht, weil ich nämlich keine Lust dazu habe, so!

Tipp für heute: Als Alternative zu ‚in Sack und Asche gehen‘, bockig sein.

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Corona-Tagebuch 59

11. Mai 2020

Gestern im Volkspark Friedrichshain schäumte der Märchenbrunnen. Kunstprojekt scheinbar, einer antifaschistischen Widerstandsgruppe, denn mit dicker roter Farbe war auf das Pflaster etwas von „AfD-Abschaum“ geschrieben worden. Denke, so was bringt der AfD höchstens einige Wählerstimmen mehr. Ein aufgebrachter Bürger schaltete sich später von der Seite her in unser Gespräch ein, welches ich mit Mutter und Schwester führte. Er könne das alles nicht mehr hören, diesen Corona-Quatsch und die ach so böse AfD, immer seien wir Deutschen schuld und die Ausländer wären ja so lieb! Dabei werden wir doch verarscht! Der Bill Gates zum Beispiel und.., er lasse sich jedenfalls nicht impfen. Ja, wollen wir nicht hören, aber er sei neulich in Deutschland von Ausländern als „Scheiß Deutscher“ beschimpft worden. Das aber würde man in keiner Zeitung lesen. Nur noch ein Thema, Corona, Corona, Corona, dem kann man ja gar nicht mehr entfliehen. Wo soll man denn noch hin? Ich entgegnete, er hätte sich zu uns gesetzt und würde hier gerade in einer Tour reden, zum Beispiel über Corona. War aber egal, er kübelte weiter. Das sei überhaupt keine Pandemie, die Influenza habe viel mehr Menschenleben gekostet, die wollen uns doch nur unterdrücken, die Kapitalisten, die Ausländer, die Linken. Dabei wähle er gar nicht die AfD, noch nicht! Mutter und Schwester wollten gehen, in mir jedoch war der Stachel geweckt. Nee, dachte ich, solchen Leuten darf man das Feld nicht überlassen. Darf man natürlich schon, kann ja auch schnell auf ’s Maul geben. Sagen wir, ich möchte diesen Wutbürgern das Feld nicht überlassen. Also gab ich Contra und wurde ebenfalls laut, als er laut wurde. Versöhnen tat mich schließlich, als ich von ihm, bevor er schimpfend die Arena verließ, einer Generation zugerechnet wurde, die bereits mit Computern aufgewachsen sei. Vielen Dank! Dabei schien der Trunkenbold jünger als ich zu sein. Auch der von AfD-Gnaden gewählte Thüringer Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) reiht sich mittlerweile bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ein. Je mehr die gelockert werden, desto entschiedener scheint der Widerstand dagegen zu werden. Fürchte, wenn erst alles wieder erlaubt ist, tritt das Ausmaß der Schreckensherrschaft der Virologen-Diktatur so richtig zutage. In Shanghai ist Disneyland eröffnet worden, nach fast viermonatiger Schließzeit. Hurra! Hierzulande löst die Polizei in Kreuzberg eine Geburtstagsparty von 24 Personen auf. Buh! Da sieht man ’s mal wieder. 12 Gäste hatten versucht sich hinterm Vorhang, dem Sofa oder im Kleiderschrank zu verstecken. Fast wie Anne Frank. In Tunesien das erste Mal seit Anfang März keine neuen Infizierten, Rekordanstieg dagegen erneut in Russland, 11.656 Fälle am Tag. Laut einer Studie, die im ‚European Heart Journal‘ veröffentlicht wurde, erkranken Männer häufiger als Frauen an Covid-19, weil ihr Blut einen höheren Wert des Schlüsselenzyms ACE2 aufweist, welches das Virus benötigt, um in Zellen einzudringen, sich zu vervielfältigen und in die Lunge überzugehen. Will Bill Gates, welcher bekanntlich hinter Corona steckt, etwa eine Bevölkerung, die nur noch aus Frauen besteht?

Tipp für heute: Gegen Temperatursturz hilft eine warme Badewanne.

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Corona-Tagebuch 58

10. Mai 2020

Muttitag, beziehungsweise Muttertag, den ich traditionell nicht feiere, weil ich jahrelang verbreitete, dies sei ein Nazi-Feiertag, was nicht stimmt. Der Muttertag geht auf die Methodistin Anna Marie Jarvis zurück, die 1907, aus Liebe zu ihrer verstorbenen Mutter, 500 weiße Nelken an andere Mütter verteilte und später, der Muttertag wurde 1914 in den USA zum nationalen Feiertag erklärt, wegen zunehmender Kommerzialisierung für die Abschaffung des Feiertages kämpfte. Erfolglos. In Deutschland kümmerte sich ab 1926 die ‚Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung‘, schöner Name irgendwie, um die Propagierung des Muttertages und konnte im Jahre 1933 die Sektkorken knallen lassen, denn da wurde hierzulande der Muttertag zum offiziellen Feiertag erklärt. Wer das Jahr 1933 noch mit etwas anderem in Verbindung bringt, hat möglicherweise in Geschichte gut aufgepasst. Zehntausende Menschen demonstrierten gestern in der Bundesrepublik gegen die Corona-Maßnahmen. 5.000 in Stuttgart, 3.000 in München, 2.000 in Nürnberg. In Nürnberg, Dortmund und Berlin, wo auf dem Alexanderplatz sich 1.250 Menschen versammelten, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auf dem Alexanderplatz ertönten, die bereits von Pegida-Demonstrationen sattsam gewohnten, „Volksverräter“-Rufe. Auch in Nürnberg und Dortmund waren laut Polizei Rechtsextremisten für die Rangeleien verantwortlich. Mehrere katholische Bischöfe, darunter der Deutsche Gerhard Ludwig Müller, unterzeichneten den dreiseitigen Aufruf ‚Veritas liberabit vos!‘, auf deutsch ‚Die Wahrheit wird euch befreien!‘, welcher angesichts der Maßnahmen gegen die Pandemie vor dem „Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“ warnt, es gebe Grund zu der Annahme „dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind in der Bevölkerung Panik zu erzeugen“, „supranationale Einheiten“ mit „unklaren Absichten“. Juden werden nicht wörtlich erwähnt. Die deutsche Bischofskonferenz distanziert sich trotzdem. In Brasilien beginnt eine dreitägige Staatstrauer. Mittlerweile über 10.000 Tote dort. Ob Präsident Bolsonaro mittrauert? Barcelona öffnet seine Strände für sportliche Aktivitäten, die Faröer-Inseln erklären sich offiziell für coronafrei. Wegen anhaltender Beschränkungen will Firmengründer Elon Musk den Sitz seines Elektroautoherstellers Tesla „sofort“ von Kalifornien in einen anderen US-amerikanischen Bundesstaat verlegen. Texas oder Nevada, das weiß er noch nicht genau. Weltweit mehr als 4 Millionen Infizierte und über 279.000 Tote. Erfreuliches gibt es von wissenschaftlicher Seite zu berichten. Wie die Mücken-Expertin des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung Doreen Werner der Deutschen Presse Agentur (DPA) mitteilte, existieren bisher keinerlei Erkenntnisse, dass das Virus von Stechmücken übertragen werde.

Heute: Weltweites Internetz, Facebook-Kanal der Reformbühne Heim & Welt, 20 Uhr: Quarantänebühne Heim & Welt mit Heiko Werning, Dr. Jakob Hein, Technik-Held Frank Sorge, Falko Hennig, Gott und mich, einer Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne von Jürgen Witte aus dem Trendbezirk Steglitz und aus München Lieder von unserer Superstargästin Le-Thanh-ho

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Corona-Tagebuch 57

9. Mai 2020

Gestern abend wirkte die Gegend um den Weinbergswegpark und er selber, als ob keine Beschränkungen mehr in Kraft wären, volle Straßen, die, die es sich leisten können, genossen irgendeine rote Brühe in Plastebechern, welche wohl in geringem Maße berauschend wirken muss, den geröteten Gesichtern nach zu urteilen. Im Park selbst drängelten sich Menschen, müssen mehrere Hundert gewesen sein. Beim genauen Zählen bin ich nur bis zwölf gekommen, hatte dann keine Lust mehr. Als Statistik-Freak interessieren mich ja Zahlen und da fällt auf, dass mittlerweile die Sterbequote von Covid-19-Infizierten in Deutschland erheblich nach oben gegangen ist. Waren es in den ersten Wochen noch unter 1% der positiv Getesteten, so sind es mittlerweile zwischen 4 und 5%, welche ihr Leben verlieren. Und galt dies zu Beginn der Pandemie den Medien als Indiz für die Überlegenheit des deutschen Gesundheitssystems, so wird nun einfach nicht mehr darüber berichtet. Roy, von Siegfried & Roy, ist an Corona gestorben. Rammstein haben den 2. Teil ihrer Europa-Tournee wegen Corona abgesagt. In den USA verzeichnen sie aufgrund von Corona die höchste Arbeitslosenquote seit 1945. Seit 1945 verzichtet Russland zum ersten Mal auf eine Siegesparade. Zum Ausgleich fliegen jedoch Kampfjet-Formationen über 50 russische Städte. Da wird sich die Bevölkerung aber freuen. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul schließt sämtliche Nachtclubs nach neuerlichen Infektionen und in der Türkei wird auch dieses Wochenende ein weitgehendes Ausgangsverbot über 24 Städte verhängt. Die höchsten aktuellen Todeszahlen werden aus Brasilien gemeldet, die meisten Neuinfizierten verzeichnet Russland. Auch in Peru, Ekuador, Chile, Mexiko, Indien, Pakistan und Bangladesh steigen die Zahlen deutlich und leider auch in vielen afrikanischen Ländern. Aus westeuropäischen Staaten und den USA wird über ein so genanntes Kawasaki-Syndrom bei Kindern berichtet, welches mit Covid-19 in Zusammenhang stehen soll. Dabei handelt es sich um die Entzündung der Gefäße im gesamten Körper, einhergehend mit mindestens fünftägigem Fieber, Ausschlag und Erdbeerzunge. Erdbeerzunge hört sich ja gut an, ich jedoch vermute, die Kinder würden liebend gerne darauf verzichten. Ein Pflegeheim in der portugiesischen Stadt Figueira da Foz ermöglicht jetzt Angehörigen-Besuche per Kran. Sie werden auf einer Hebebühne bis zum Balkon hochgefahren und können so in gebotenem Abstand sich sehen und kommunizieren. Warum das zu ebener Erde nicht möglich ist, erschließt sich mir zwar nicht ganz, trotzdem natürlich schön. Schön auch, dass Madagaskar ein Corona-Heilmittel gefunden hat, was bereits nach Tansania geliefert wird und auch in anderen afrikanischen Ländern Begehr weckt. ‚Covid-Organics‘ heißt der Kräutertrunk, welcher auf Beifuß basiert. An seiner Wirksamkeit bestehen allerdings gewisse Zweifel.

Tipp für heute: Beifuß, getrocknet, passt auch zu vielen Fleischgerichten.

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Corona-Tagebuch 56

8. Mai 2020

Tag der Befreiung. In Berlin ist dieser zum ersten Mal, wenigstens in Westberlin, offizieller Feiertag und der ‚Tagesspiegel‘ macht sich sofort Sorgen „Was der zusätzliche Feiertag die Berliner Wirtschaft kostet“. Tja, müsste man wirklich mal nachrechnen. Apropos, hat eigentlich mal jemand nachgerechnet, was der Zweite Weltkrieg die Berliner Wirtschaft gekostet hat? Wieder ein skurriler Traum. Wir befanden uns in einer Art Kirche, vielleicht auch einer Halle, und debattierten, wer uns aus der Krise ziehen könnte. Irgendwie war klar, es gäbe nur eine Person, welche dazu in der Lage wäre und zwar die stärkste Oma der Welt. Allerdings ist die stärkste Oma der Welt bekanntlich blind und müsste von uns geleitet werden. Nicht einfach. Die Menge müsste sich intuitiv einig sein, wohin man die stärkste Oma der Welt dirigiert. Erlaubt in Berlin ab 18. Mai: Versammlungen in geschlossenen Räumen bis 50 Teilnehmer. Ob es gelingt, die Reformbühne als Versammlung zu deklarieren? Ab 25. Mai werden solche unter freiem Himmel sogar für bis zu 100 Personen gestattet. Island führt am gleichen Tag diese Regelung ein. Dort gibt es derzeit nur 46 Corona-Erkrankte, alle anderen sind bereits genesen. Mehr als 3.000 Covid-19-Tote in Schweden. In Oklahoma City feuert eine erboste Kundin mit Schnellfeuergewehr auf das Personal eines McDonald’s-Schnellrestaurants, weil dieses wegen Corona nur Speisen zum Mitnehmen anbieten wollte. Vier Verletzte. Schützin wird festgenommen. Donald Trump hat sich noch nicht solidarisch erklärt. Dafür äußerte er sich mal wieder zum Ursprung der Corona-Pandemie: „Wahrscheinlich war es Inkompetenz, jemand war dumm.“ Ah, ja. Japan meldet erstmals seit Wochen unter 100 Neuinfektionen. Im australischen Bundesstaat ‚Northern Territory‘ öffnen ab 15. Mai wieder Bars und Pubs, Alkohol darf allerdings nur zusammen mit einer Mahlzeit genossen werden. Sonst ist man zu schnell besoffen? Hat das was mit Corona zu tun? Und wenn man sich von zuhause was mitbringt? Speck? Wie die Russen? In Griechenlands Hauptstadt Athen öffnet die Akropolis am 15. Mai ihre Pforten, Syrien verschiebt seine Parlamentswahl erneut und in Kenias Hauptstadt Nairobi bietet ein Frisör Corona-Frisuren an. Haarsträhnen werden hierbei genommen und zu dünnen, abstehenden Zöpfen geknotet, mit Gnubbeln am Ende. Erinnert an die Oberflächenproteine des Coronavirus. Färben kann man sich seine Frisur in der gerade angesagten Version. Blau-Rot. Grün-Rot-Weiß. Schwarz-Rot-Gold? Ob es bereits eine Band gibt, die ‚Risikogruppe‘ heißt?

Tipp für heute: Erst mal ein Instrument lernen, was man spielen will, bevor man sich über den Namen der Band Gedanken macht.

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Corona-Tagebuch 55

7. Mai 2020

Seit gestern dürfen in Deutschland weitestgehend die Bundesländer entscheiden, ob und wie sie lockern. Hessen erlaubt als erstes Land Veranstaltungen bis 100 Teilnehmende, in Nordrhein/Westfalen dürfen ab 11. Mai Restaurants unter Auflagen wieder öffnen, dann können auch Ferienhäuser und Campingplätze genutzt werden und kleinere Konzerte unter freiem Himmel sind möglich. Ab 21. Mai sollen Hotels dort wieder aufmachen, ab Pfingsten Schwimmbäder, ab 30. Mai Kongresse und Messen stattfinden. Jedes Bundesland setzt eigene Schwerpunkte, in Berlin werden Kindergärten und Schulen schrittweise hochgefahren, Restaurants und Gaststätten sollen erst ab 15. Mai öffnen dürfen. Dass so etwas zu einem Überbietungswettbewerb führt, dem sich niemand entziehen kann, scheint auf der Hand zu liegen. Manche Virologen hoffen auf Glück, die innere Einsicht der Bevölkerung, oder darauf, dass dem Virus die Lust vergeht herum zu spuken. Was richtig ist, in dieser Situation, was vorher falsch gemacht wurde, kann sicher erst in ein paar Jahren gesagt werden. Ich möchte in dieser Zeit jedenfalls mit niemandem tauschen, der Verantwortung trägt. Drei positive Begleiterscheinungen des Lockdowns: die Kriminalität in Deutschland ist erheblich gesunken, die Luftverschmutzung ebenso und der Ferienwohnungsvermietungskonzern Airbnb entlässt 25% seiner Belegschaft. Pleite ist er leider noch nicht. Laut repräsentativer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes McKinsey planen übrigens viele Menschen auch nach Corona deutlich weniger ins Kino, in Theater oder Konzerte zu gehen. 26% wollen dies überhaupt nicht mehr tun. Sie möchten außerdem seltener reisen und einen großen Bogen um die öffentlichen Verkehrsmittel schlagen. Rund 30% kündigten an weniger Geld für „überflüssige Einkäufe“ auszugeben. Was aber ist überflüssig? Bücher? Bücher kann man ziemlich gut als Unterlage nutzen, oder falls der Tisch mal wackelt. Litauen, Estland und Lettland öffnen Mitte Mai die Binnengrenzen zueinander. Belgien erlaubt, dass jede Familie 4 Personen empfangen darf. Diese müssten aber immer die gleichen Personen sein und dürfen auch nur diese eine Familie besuchen. Ein ähnlich verworrenes und unkontrollierbares Gebot, wie der Berliner Vorschlag, am Tisch einer Gaststätte dürften lediglich Personen aus zwei verschiedenen Haushalten sitzen. „Alle mal bitte die Ausweise vorzeigen: Adressenkontrolle.“ Polen verschiebt seine für den 10. Mai geplanten Präsidentschaftswahlen, Spanien verlängert den Notstand um weitere zwei Wochen, in den Niederlanden müssen bis September Sex-Clubs geschlossen bleiben und Cannabis verkaufende ‚Coffee-Shops‘ dürfen nur noch „Produkte zum Mitnehmen“ anbieten. El Salvador stellt für 15 Tage den ÖPNV ein, Russland verzeichnet mehr als 11.000 Infektionsfälle in den letzten 24 Stunden, auch drei Regierungsmitglieder sind betroffen, Brasiliens Gesundheitsminister Nelson Teich hat erstmals weitgehende Beschränkungen für große Landesteile in Aussicht gestellt, dort, wo hohe Ansteckungsraten herrschen und die Krankenhäuser überfüllt seien. Mehr als 600 Covid-19-Tote werden aus dem bevölkerungsreichsten Land Südamerikas gemeldet, innerhalb eines Tages. Ach, fast vergessen, die 1. und 2. Bundesliga im deutschen Herren-Fußball, darf ab 15. Mai vor leeren Rängen wieder spielen. Wen ’s interessiert?

Tipp für heute: ‚Fahrzeugbau Wolfsburg‘ gegen ‚Chemie Leverkusen‘, Livestream im Fernsehen, kostet nur 8.000 Mark im Monat (oder so ähnlich).

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Corona-Tagebuch 54

6. Mai 2020

Am Märchenbrunnen im Friedrichshain traf ich mich gestern mit einem Mann. Nein, nicht um in die Büsche zu verschwinden, diese Szene trifft sich mittlerweile woanders, weiß auch gar nicht, ob sie sich derzeit überhaupt trifft. Wir redeten über die Situation. Über die Pandemie, über den Widerstand gegen die Maßnahmen, über das, was man noch sagen dürfe, darüber, wie wir uns die Zukunft vorstellen. Wir haben in vielem unterschiedliche Meinungen und doch ging ich nach dem Gespräch beschwingter heim, als ich gekommen war. Wir redeten mehr als 2 Stunden, liefen durch den Park, während es immer wieder regnete und graupelte und meine Stoffturnschuhe bereits jeglichen Widerstand gegen das Merkel-Regime, Quatsch, gegen die Nässe aufgegeben hatten. Ich denke, es ist wichtig, in Kontakt zu bleiben, gerade jetzt. Als Stimme der Unzufriedenen mit den Corona-Beschränkungen versucht sich derzeit eine Partei namens ‚Widerstand 2020‘ zu etablieren. Angeblich wären bereits 100.000 Mitglieder in nur wenigen Wochen beigetreten, mehr als Linke oder AfD haben. Wie es dazu kommt, merkt man allerdings, sollte man die Webseite der Partei aufrufen, dann ist man nämlich automatisch Mitglied. Ich zum Beispiel bin jetzt Mitglied Nr. 106.942 und trete hiermit sofort wieder aus. Kann zwar an Werten wie „Einfühlungsvermögen“, „Ehrlichkeit“ und „Respekt“ nichts aussetzen, reicht mir jedoch nicht, um zu wissen, was die eigentlich wollen. Aussagen wie: „Wir brauchen wieder Menschen, die so sind wie du und ich“, irritieren zusätzlich, zumindest mich. „Du und ich“? Uns gibt es doch bereits, oder? Wollen die, dass es noch mehr Menschen gibt wie du und ich? Setzt sich die Partei für das Klonen von Menschen ein? Dann befinde ich mich ab sofort im Widerstand gegen ‚Widerstand 2020‘. Die neue Zauberzahl heißt übrigens 50. 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Darunter können einzelne Bundesländer ihre Maßnahmen weiter lockern, darüber müssen sie zu strengeren Restriktionen zurück kehren. Baden/Württemberg gestattet ab kommender Woche „kontaktlosen Outdoorsport“, Nordrhein/Westfalen erlaubt Besuche in Altersheimen, in Mecklenburg/Vorpommern werden bereits morgen Nagel- und Sonnenstudios wieder eröffnet. Jeden Tag wird irgendein Durchbruch verkündet, Antikörper werden isoliert, Medikamente getestet und zugelassen. Mal heißt es, der Impfstoff sei im September da, dann wieder frühestens in zwei Jahren. Ich rechne einfach mal mit gar nichts und lass mich überraschen. Im ‚Tagesspiegel‘ äußert sich der Tourismus-Beauftragte der Bundesregierung Bareiß so: „Mit etwas Kreativität findet in diesem Sommer jeder ein schönes Ziel, das er noch nicht kennt.“ Muss mich mal in meiner Wohnung umgucken. Vielleicht gibt es da ja eine Tür, hinter die ich noch gar nicht geschaut hab?

Tipp für heute: Auf die Perspektive kommt es an.

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